
Hochwasserschaeden
Somoto, Bezirk Madriz, Nicaragua 28.06.2005
Zum zweiten Mal am gleichen Tag dem Tod nur knapp entronnen! Am Nachmittag fand ich in meinem Farmhaus eine grosse Giftschlange – doch davon in einem separaten Bericht
Nachdem hier seit anfangs Juni taeglich viel Regen faellt und wir fast taeglich Hochwasseralarm hatten, beruhigt sich diese Woche das Wetter etwas. Sofort fing ich an, mit 4 Tagloehner und meinen 2 Landarbeiter die groebsten Schaeden auf der Zufahrtsstrasse zum Farmhaus auszubessern da oeffneten sich gestern Nacht die Schleusen des Himmels erneut: Fast 4 Stunden lang regnete es in Stroemen.
Schon frueh um 05.30 heute morgen nahm ich ein Taxi, um voller Sorge nach den Schaeden auf der Farm zu sehen. Was ich antraf, uebertraf meine schlimmsten Befuerchtungen:
Der Regen hatte die eben ausgebesserte Strasse an gleich drei Orten voellig weggeschwemmt! Bis 1,5 Meter tiefe Schluchten rissen die Wassermassen in die steinige und felsige Erde und einige Baume wurden geknickt und entwurzelt. Glueck, dass hier keine Menschen zu Schaden kamen. Eisg klemmte der Schreck mein Herz: Wenn ich nur einige Stunden spaeter diese Strasse gestern passiert haette: Es haette wohl kaum eine Rettung gegeben!
Ein fast 80-jaehriger Nachbar stand ebenfalls kopfschuettelnd vor den Schaeden: „Noch nie in meinem langen Leben habe ich so etwas fuerchterliches erlebt“ murmelte er immer wieder:“Selbst beim so schlimmen Mitch vor wenigen Jahren, die eine beispielslose Sammelaktion in der ganzen Welt ausloeste, waren die Schaeden nicht so gross wie heute hier“. Sein Brunnen, Lebensader seiner kleinen Farm – wurde voellig aufgefuellt mit Schlamm und Erde, sodass die Gefahr besteht, dass die Quelle verstopft.
Auch mein Schaden duerfte sich um 1500 USD bewegen – keine Ahnung, wie ich diesen Betrag aufbringen soll. Natuerlich hoffen wir, dass von der Gemeinde Hilfe geleistet wird, sodass wir wenigstens in einigen Wochen wieder auf die Farm fahren koennen. Die naechsten Tagen ist der Zugang nur ueber ein Felsband moeglich – was ich mit meinem gebrochenen Fuss nicht schaffe. Auch der Esel war nicht im Stande, den sich gebildeten reissenden Fluss zu durchqueren.
Dennoch will ich nicht jammern: Arme Nachbar traf es wiedermal noch haerter. Im Nachbardorf El Esperanto – nur wenige hundert Meter neben der Farm gelegen – starben gestern Nacht einige Dorfbewohner, darunter Kinder. Mein Herz blutet und meine Augen fuellen sich mit Traenen, sodass ich den Bericht hier schliesse.
Nica-Hanspi


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