Friday, June 24, 2005

Giftschlange im Haus

Glueck gehabt!

Somoto, Bezirk Madriz, Nicaragua 28.06.2005


Ein schoener Tag hatte begonnen: Erstmals seit Tagen war in der Nacht kaum mehr Regen gefallen: Sofort rief ich einige Taglohn – Arbeiter, die ich mit der Reparatur der unpassierbar gewordener Zufahrtstrasse zur Farm begannen. Wir schufteten wie die Wilden, brachen Steine aus der Felswand, fuellten die aufgerissenen Furchen, welche die Wassermassen gerissen hatten damit und ueberdeckten diese mit erst groben Kies, dann Sand.
Kurz nach Mittag war das Werk getan: Froh, ab morgen wieder mal mit einer Camionetta auf die Farm fahren zu koennen, zahlte ich die Taglohnarbeiter aus, gb noch einen Trink aus und zog mich ins Farmhaus zurueck.

Da ich den ganzen Tag trotz strak geschwollenem Fuss bei den Arbeiter war und diese ueberwachte, liess ich das Farmhaus geschlossen: Die glaslosen Fenster mit den Holzverschlaegen, die Tueren verriegelt. So ist es dort auch am Tage dunkel. Ich wollte eben im dunklen Raum – ohne das elektrische Licht anzuzuenden – ein Glas Wasser aus dem Trinkwasserbehaelter holen. Dieser hier uebliche 25-Liter-Kunststoffkuebel steht auf einem runden, selbstgezimmerten Tischchen, davor immer 3-4 weisse Trinkbecher. So finde ich diese auch im dunkeln. Heute griff ich nun nach dem ersten der Becher; Da beruehrte meine Hand etwas kuehles, Unbekanntes! Aha – dachte ich, meine liebe Frau hat beim putzen wieder einmal einen feuchten Lappen hier liegen lassen. Ein Lappen – komisch dachte ich: Ist doch normals auch hell oder gar weiss: Der da aber ist dunkel und komisch anzufuhlen. Unbewusst vorsichtig streckte ich nochmals meinen Finger nach dem Ding aus: DA – es bewegte sich! Irrte ich mich – oder nicht? Ich jedenfalls zog rasch meine Hand zurueck – da war mir, als ob etwas zischte und meine Hand streifte. Nun eilte ich zur Zimmermitte, wo ich die halbeingedrehten Gluehampe mit einer raschen Drehung zum leuchten brachte.
Da sah ich sie: Eine bunte, schoen anzuschauende rund 1,5 Meter lange, daumendicke Schlange, die sich eng um einen meiner Trinkbecher geschwungen hatte!

Erstaunt schaute ich auf das Tier, dass ebenfalls schlaefrig und ueberrascht scheinenend zurueckaeugte. Dann aber besann sie sich wohl aufs Schlangenleben: Ihr Kopf ruckte in die Hoehe, der Mund oeffnete sich weit und die gespaltene Zunge wirbelte wie wild! Zwei – dreimal stiss sie den Kopf in meine Richtung – viel zu weit stand ich weg, um von der Schlange erreicht zu werden; Vermutlich waren das eher Drohbewegungen um einzuschuechtern. Ich blieb ruhig – eher etwas untypisches fuer mich – und schaute dem Tier halb belustigt und halb resepktvoll zu. Dann verliess ich ohne Eile das Haus und rief nach meinem Hauptarbeiter. Ich bat ihn, die Schlange zu toeten, ohne sie allzufest zu verletzen, da ich mir das Leder praeparieren wollte. Doch da wir nichst zu machen! Kreidebleich rief er nach seinem Mitarbeiter und schlug blind vor Angst und Panik mehrmals mit seiner scharfen Matchette auf das Tier ein, sodass er es buchsteablich vier- oder gar mehrteilte. Lange noch wand sich deren Koerperteile blutend auf dem Boden – fast hatte ich Mitleid mit dem sterbenden Tier!

Auch mein Vorschlag, den Kadaver den Hunden zum fressen vorzulegen, wurde entruestet abgelehnt: Man muesse mit dieser Schlangenart sehr vorsichtig sein, paukte man mir immer wieder ein. Schliesslich sei es eine Cacabel – etwa das giftigste, was es in der gegend gebe. Paradoxerweise heisst sie somit gleich wie die gegend wo meine Farm liegt! (Leider habe ich weder im Internet noch in der Bibliotheken ein Fotos oder den lateinischen Namen der Art gefunden)
Nica-Hanspi

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