Friday, June 24, 2005

Giftschlange im Haus

Glueck gehabt!

Somoto, Bezirk Madriz, Nicaragua 28.06.2005


Ein schoener Tag hatte begonnen: Erstmals seit Tagen war in der Nacht kaum mehr Regen gefallen: Sofort rief ich einige Taglohn – Arbeiter, die ich mit der Reparatur der unpassierbar gewordener Zufahrtstrasse zur Farm begannen. Wir schufteten wie die Wilden, brachen Steine aus der Felswand, fuellten die aufgerissenen Furchen, welche die Wassermassen gerissen hatten damit und ueberdeckten diese mit erst groben Kies, dann Sand.
Kurz nach Mittag war das Werk getan: Froh, ab morgen wieder mal mit einer Camionetta auf die Farm fahren zu koennen, zahlte ich die Taglohnarbeiter aus, gb noch einen Trink aus und zog mich ins Farmhaus zurueck.

Da ich den ganzen Tag trotz strak geschwollenem Fuss bei den Arbeiter war und diese ueberwachte, liess ich das Farmhaus geschlossen: Die glaslosen Fenster mit den Holzverschlaegen, die Tueren verriegelt. So ist es dort auch am Tage dunkel. Ich wollte eben im dunklen Raum – ohne das elektrische Licht anzuzuenden – ein Glas Wasser aus dem Trinkwasserbehaelter holen. Dieser hier uebliche 25-Liter-Kunststoffkuebel steht auf einem runden, selbstgezimmerten Tischchen, davor immer 3-4 weisse Trinkbecher. So finde ich diese auch im dunkeln. Heute griff ich nun nach dem ersten der Becher; Da beruehrte meine Hand etwas kuehles, Unbekanntes! Aha – dachte ich, meine liebe Frau hat beim putzen wieder einmal einen feuchten Lappen hier liegen lassen. Ein Lappen – komisch dachte ich: Ist doch normals auch hell oder gar weiss: Der da aber ist dunkel und komisch anzufuhlen. Unbewusst vorsichtig streckte ich nochmals meinen Finger nach dem Ding aus: DA – es bewegte sich! Irrte ich mich – oder nicht? Ich jedenfalls zog rasch meine Hand zurueck – da war mir, als ob etwas zischte und meine Hand streifte. Nun eilte ich zur Zimmermitte, wo ich die halbeingedrehten Gluehampe mit einer raschen Drehung zum leuchten brachte.
Da sah ich sie: Eine bunte, schoen anzuschauende rund 1,5 Meter lange, daumendicke Schlange, die sich eng um einen meiner Trinkbecher geschwungen hatte!

Erstaunt schaute ich auf das Tier, dass ebenfalls schlaefrig und ueberrascht scheinenend zurueckaeugte. Dann aber besann sie sich wohl aufs Schlangenleben: Ihr Kopf ruckte in die Hoehe, der Mund oeffnete sich weit und die gespaltene Zunge wirbelte wie wild! Zwei – dreimal stiss sie den Kopf in meine Richtung – viel zu weit stand ich weg, um von der Schlange erreicht zu werden; Vermutlich waren das eher Drohbewegungen um einzuschuechtern. Ich blieb ruhig – eher etwas untypisches fuer mich – und schaute dem Tier halb belustigt und halb resepktvoll zu. Dann verliess ich ohne Eile das Haus und rief nach meinem Hauptarbeiter. Ich bat ihn, die Schlange zu toeten, ohne sie allzufest zu verletzen, da ich mir das Leder praeparieren wollte. Doch da wir nichst zu machen! Kreidebleich rief er nach seinem Mitarbeiter und schlug blind vor Angst und Panik mehrmals mit seiner scharfen Matchette auf das Tier ein, sodass er es buchsteablich vier- oder gar mehrteilte. Lange noch wand sich deren Koerperteile blutend auf dem Boden – fast hatte ich Mitleid mit dem sterbenden Tier!

Auch mein Vorschlag, den Kadaver den Hunden zum fressen vorzulegen, wurde entruestet abgelehnt: Man muesse mit dieser Schlangenart sehr vorsichtig sein, paukte man mir immer wieder ein. Schliesslich sei es eine Cacabel – etwa das giftigste, was es in der gegend gebe. Paradoxerweise heisst sie somit gleich wie die gegend wo meine Farm liegt! (Leider habe ich weder im Internet noch in der Bibliotheken ein Fotos oder den lateinischen Namen der Art gefunden)
Nica-Hanspi

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Hochwasserschaeden

Somoto, Bezirk Madriz, Nicaragua 28.06.2005


Zum zweiten Mal am gleichen Tag dem Tod nur knapp entronnen! Am Nachmittag fand ich in meinem Farmhaus eine grosse Giftschlange – doch davon in einem separaten Bericht

Nachdem hier seit anfangs Juni taeglich viel Regen faellt und wir fast taeglich Hochwasseralarm hatten, beruhigt sich diese Woche das Wetter etwas. Sofort fing ich an, mit 4 Tagloehner und meinen 2 Landarbeiter die groebsten Schaeden auf der Zufahrtsstrasse zum Farmhaus auszubessern da oeffneten sich gestern Nacht die Schleusen des Himmels erneut: Fast 4 Stunden lang regnete es in Stroemen.
Schon frueh um 05.30 heute morgen nahm ich ein Taxi, um voller Sorge nach den Schaeden auf der Farm zu sehen. Was ich antraf, uebertraf meine schlimmsten Befuerchtungen:
Der Regen hatte die eben ausgebesserte Strasse an gleich drei Orten voellig weggeschwemmt! Bis 1,5 Meter tiefe Schluchten rissen die Wassermassen in die steinige und felsige Erde und einige Baume wurden geknickt und entwurzelt. Glueck, dass hier keine Menschen zu Schaden kamen. Eisg klemmte der Schreck mein Herz: Wenn ich nur einige Stunden spaeter diese Strasse gestern passiert haette: Es haette wohl kaum eine Rettung gegeben!
Ein fast 80-jaehriger Nachbar stand ebenfalls kopfschuettelnd vor den Schaeden: „Noch nie in meinem langen Leben habe ich so etwas fuerchterliches erlebt“ murmelte er immer wieder:“Selbst beim so schlimmen Mitch vor wenigen Jahren, die eine beispielslose Sammelaktion in der ganzen Welt ausloeste, waren die Schaeden nicht so gross wie heute hier“. Sein Brunnen, Lebensader seiner kleinen Farm – wurde voellig aufgefuellt mit Schlamm und Erde, sodass die Gefahr besteht, dass die Quelle verstopft.

Auch mein Schaden duerfte sich um 1500 USD bewegen – keine Ahnung, wie ich diesen Betrag aufbringen soll. Natuerlich hoffen wir, dass von der Gemeinde Hilfe geleistet wird, sodass wir wenigstens in einigen Wochen wieder auf die Farm fahren koennen. Die naechsten Tagen ist der Zugang nur ueber ein Felsband moeglich – was ich mit meinem gebrochenen Fuss nicht schaffe. Auch der Esel war nicht im Stande, den sich gebildeten reissenden Fluss zu durchqueren.

Dennoch will ich nicht jammern: Arme Nachbar traf es wiedermal noch haerter. Im Nachbardorf El Esperanto – nur wenige hundert Meter neben der Farm gelegen – starben gestern Nacht einige Dorfbewohner, darunter Kinder. Mein Herz blutet und meine Augen fuellen sich mit Traenen, sodass ich den Bericht hier schliesse.

Nica-Hanspi

Wednesday, June 15, 2005

Busfahrt durch Nicaragua, Honduras, San Salvador, Guatamala nach Mexico

Geschrieben anfangs Juni 2005 . Heute neu eingestellt.

Reisebericht durch Zentralamerika

Start in Nicaragua:
Frueh um 06.00 mussten wir aus den Federn: Mit einem Taxi fuhren wir die rund 35 Kilometer zur Grenze nach Honduras. Zwar faehrt der Tica-Bus – bei dem wir gebucht haben – die gleiche Strecke und passiert dabei praktisch unsere Haustuere: Doch irgendwelche unverstaendlichen Absprachen verbieten es ihm, in unserem Dorf oder gar vor unserem Haus anzuhalten und uns aufzuladen!

Um 07.45 treffen wir an der Grenze ein: Der Treffpunkt ist auf 08.00 festgesetzt worden: Natuerlich war um diese Zeit noch weit und breit kein Bus zu sehen! Dieser traf dann etwa um eine Stunde verspaetet ein und zu unserer Ueberraschung nahm uns der freundliche Beifahrer die Passformularitaeten ab und fuellte gar die leidigen und muehsamen weissen Formulare fuer uns aus. Dann das hier so uebliche kaum enden wollende Palaver zwischen Grenzbeamte, Fahrer und Beifahrer – danach ein Gleiches noch mit den Gaesten und weiteren Passanten: Immer findet ein Zentralamerikaner Jemanden, mit dem es wichtig ist, ein Gespraech zu fuehren. Fragt man dann als sprachlich Schwacher nach dem Gespraechsstoff und – grund, gibt es meist zur Antwort: "War Nichts – alles gut!" ( Das beruhigt mich manchmal gar: Wenn „Nichts“ hier so wichtig ist, muesste ich es ja eigentlich auch sein!)

So begann halt unsere Reise im hochmodernen Reisebus mit Klimaanlage, Video und WC um 09.15 statt um 08.00: Bei einer 6-Tgesfahrt ja auch nicht so von Bedeutung!

Schon in Honduras wurden wir ein erstes Mal aufgehalten: Eine Polizeistreife leitete den Bus in einen Polizeihof, wo es hiess: "Alles aussteigen – Drogenkontrolle!" Wieder mal kam mir mein gebrochenes Bein zur Hilfe: Der freundliche Fahrer machte den Chef der Station auf mein Gebrechen aufmerksam, der sofort entschied, dass ich als Einziger im Bus bleiben duerfe! Ein grosser, furcheinfloessender und dennoch unheimlich schoener Deutscher Schaeferhund schnupperte an den Koffer, die sich im Bauch des Riesenbuses befanden und lief dann – Zaehne fletschend – die in einer Reihe vor dem Fahrzeug stehenden Passagiere ab: Manch einer, der mit verkniffenen Gesicht und leise zitternd das grosse Tier aengstlich anstarrte: Doch bei keinem blieb der Hund stehen. So wurden noch alle Paesse von den Polizisten einzeln kontrolliert und nach etwa 30 Minuten konnte die Fahrt fortgesetzt werden.

Um 11.15 trafen wir so – rund 1 ¾ Stunden verspaetet – an der Grenze Honduras / Salvador ein: Am Grenzuebergang Amadillo wartete eine riesige Schlange vor den beiden Schaltern: Es galt, erst bei einem die Ausreise per Stempel im Pass bestaetigen zu lassen – dann beim Naechsten die Einreise: Natuerlich waren auch hier wieder 2 verschiedene Papiere auszufuellen. Dabei zeigte es sich, dass die im Bus erhaltenen und dort Ausgefuellten die Falschen waren – mit unserem CH-Pass mussten wir andere – mit noch einem Dutzend Fragen mehr ausfuellen. Doch auch hier half mein Stock: Die ueberwiegend freundlichen Schlangensteher liessen mich Einer nach dem Anderen vorgehen – sodass ich in Kuerze vor dem Schalter stand! Dahinter ein Mittfuenziger am Mini-Computer, der von seiner Aufgabe klar ueberfordert war! Muehsam tippte er die Angaben auf unseren Papieren im Zweifingersystem in die Tasten, vergewisserte sich noch und noecher ob diese auch wirklich mit den Dokumenten uebereinstimmten und fragte wohl x-Mal seinen faul und den dicken Bauch sonnenden Chef hinter ihm, ob er alles richtig mache und die roten Paesse wirklich durchzulassen seien! Da kam wir wieder Mal gelegen, dass mein Spanisch nicht allzugut ist: Woanders haette ich wohl laengst „ausgerufen“! Ganze 2 ¼ Stunden dauerte es, bis alle unsere rund 30 Mit-Buspassagiere die Passkontrolltortur hinter sich gebracht hatten. So rollte dann unser Bus ab 13.30 weiter auf der Panamericana und stoppte schon eine Viertel Stunde spaeter an einer Tankstelle, wo wir Gelegenheit hatten, das Mittagsessen einzunehmen. Die reich frequentierte Tankstelle bot jedoch kaum was „Gfreutes“: Abgestandene Warmspeisen in grossen, halbleeren Chrompfannen: Dazu lauwarme „kalte“ Getraenke – und das zu Preisen, die man in Europa als guenstig – hier aber als unverschaemt bezeichnen musste.

Was solls: Schon um 17.30 Nica-Zeit = 16.30 Salvador Zeit trafen wir in einem kleinen, unfreundlichen und absolut luxuslosem Kleinhotel ein, wo die Ticabusse ihre Passagiere uebernachten lassen. (Nicaragua hat kuerzlich die Uhren um ein Stunde zurueckgestellt und hat so gleiche Zeit wie Mexico: Doch das ohne Absprache mit den Nachbarlaender, sodass Nicaragua eine Zeitinsel in Zentralamerika ist – wie einst die Schweiz in Europa! Dazu kommt, dass die meisten Nicas – vornehmlich auf den Bergen – keine Uhren haben und sich nach dem Stand der Sonne orientieren: So ist das Chaos groesser als je zuvor: Kaum eine Sitzung oder ein Treffen kann rechtzeitig begonnen werden!)
Hotel, Abendessen, Einkauf in der Metropole San Salvador und Stadtbummel gaben wenig her und sind nicht geeignet, den Mamutbericht noch mehr zu fuellen. Einzig ein interessantes Detail: Da die Regierung bei der Bevoelkerung kaum mehr Vertrauen hat, ist die einheimische Waehrung praktisch voellig verschwunden: Taxi, Restaurant und Einkauf laufen voellig ueber US-Dollar – ja gar auf dem WC in der Stadt verlangte man einen USD! Einzig die Leute am Zoll wollten partout keine Dollar akzeptieren – was die gewieften Geldwaechsler dort schamlos ausnutzten und einen rund 30% zu hohen Kurs anboten!

2. Tag:

Da Niemand genau weiss, ob nun der Bus am Morgen zu Nica- oder Salvadorzeit um 05.30 abfaehrt, liessen wir uns schon um 04.45 wecken. Alles war da – nur der Chauffeur nicht! So fuhren wir dann mit Salvadorzeit – eine Stunde vor dem Bus wartend – um 06.10 ab.
Nach etwa einer Stunde Fahrt erneute Drogenkontrolle durch eine Polizeistreife: Diesmal lief das Prozedere jedoch etwas schneller ab! Schon um 08.30 trafen wir an der Grenze Salvador / Guatamala ein: Auch hier das bereits gewohnte bloedsinnige Ausfuellen von immer gleichenartigen Formularen, Schlangenstehen, Beamte anlaecheln,(auch wenn man sie lieber ankotzen moechte) von einem Bein aufs andere treten, Faeuste im Sack machen, immer noch laecheln um endlich das BUMM-bumm zu hoeren: Zwei Stempel, die die Weiterfahrt ermoeglichen! Diesmal dauerte der Behoerdenleerlauforgasmus nur gerade 1 Stunde!
Gegen 11.30 trafen wir in Guatamala City ein, wo wir in einem kleinen Cafe direkt neben dem Busterminal ein feines, einheimischen Essen vorgesetzt bekamen: Umgerechnet fuer etwa 6 Franken = fuer 2 Personen inklusive Getraenke! Stoerend einzig, dass hier alles Handgepaeck aus dem Bus genommen werden mussten und alle am Terminal sich neu einzuchecken hatten: Meist kriegte man den gleichen Sitzplatz wieder: Doch der Schimmel der Burokraten hat was zu wiehern gehabt!
Schon 12.30 gings weiter: Leider nicht allzuweit im gewohnten flotten Tempo. Bei der Ausfahrt auf der Stadtautobahn eine riesige Kolonne! Niemand wusste warum! Viele versuchten, auf dem Pannenstreifen rueckwaertsfahrend zur naechsten Ausfahrt zu gelangen; Andere versuchten in einer dritten und dann gar vierten Reihe auf der 2-spurigen Strasse ein paar Meter weiter nach vorn zu kommen. Nach etwa 2 Stunden Nervenkrieg riss auch unserem Fahrer die Geduld und er verliess die Autobahn rueckwaertsfahrend ueber eine Einfahrt! Gottseidank war ein Fahrgast unter uns, der die Gegend kannt: So lotste der unseren Bus ueber Nebenstrassen. Etwa 2 Doerfer weiter sahen wir, dass hier die Autobahn wieder frei war und so konnten wir die schnelle Fahrt fortsetzen. Hier sah ich auch das erste Mal eine Strassenmaut in Zentralamerika und wunderete mich ueber die doch recht hohen Gebuehren, die unser Bus zu entrichten hatte.
17.30 dann Grenze Guatamala / Mexico. Hier liessen sich die Schikandeure in Uniform noch was besonders Gemeines einfallen: Nicht nur das Handgepaeck – nein, das gesamte Gepack musste zur Kontrolle! Bei meinem Gehen am Stock mit 2 schweren Koffer sowie dem Handgepack eine recht muehsame Sache. Diesmal fand sich Niemand, der Mitleid zeigte oder Hilfe anbot. Fast amuesiert sahen uns eine stattliche Anzahl gruenbefrackten Grenzer zu, wie wir die schweren Koffer zentimerweise und abwechselnd vor uns herschoben. Ein kleiner, schmutziger Junge bot uns dann doch noch seine Hilfe an – wollte dafuer aber 5 USD haben! Natuerlich machte ich da nicht mit, sondern fuegte mich – mehr oder weniger leise – knurrend und murrend ins Unabaenderliche. Trotz allen Huerden schafften wir auch diese Kontrolle in etwas ueber einer Stunde. Nach einer weiteren Stunden Busfahrt trafen wir in Taragotta ein – dem Umsteigeort in Mexico: Hier drehen die Nica-Busse um und wir mussten auf eine mexikanische Buslinie umsteigen.

Das bedeutete, wieder Koffer schleppen, Buslinie an einer verblichener und kaum lesbaren Tafel bestimmen, einchecken, Geld zusammen suchen, da die erst keine Dollar (wir hatten nur 100-Dollar-Noten dabei) und keine Visa nehmen wollten! So blieben nur noch rund 10 Minuten Zeit fuer das Umsteigen: Zuwenig, um noch etwas in den Magen zu bekommen oder mir einen kleinen Schlaftrunk zu besorgen ( Aergerlich!!)

Die Reise bisher hatte neben den geschildereten kaum gross andere Eindruecke hinterlassen: Da die Buslinien wohl davon ausgehen, dass ihre Passagiere lieber langweilige und voellig ungeignete Videos anschauen wollen ( meist mit viel Blut und Geschiesse- obwohl auch immer Kinder im Bus waren) – verdunkeln sie die grossen Frontscheiben und auch die Seitenfenster lassen nur spaltweise Blicke auf die Gegend zu: So bekam ich fast die Halskehre beim Herausstarren. Trotzdem nahm ich so viel wie moeglich auf und sah, wie Honduras arm und sehr trocken war, Salvador deutlich bessere Infrastruktur hatte und auch gruener war und Guatamala wirkte auf mich fast wie die huegelige Voralpenlandschaft in der Schweiz. Da ich vorallem wegen den kakteen unterwegs war, wunderte ich mich einzig, wie wenig von diesen Pflanzenart in allen den durchgefahrenen Laender zu sehen war!

2. Nacht und 3. Tag:

So verliessen wir nur mit etwas Trockenobst und Mineralwasser bestueckt Taragossa um 20.30 Uhr mit Destination : Veracruz.
Eine unruhige Nachtfahrt folgte: Viel zu tief eingestellte Klimaanlage liess uns trotz hoher Nacht-Aussentemperatur frieren; Die Sitze waren zwar auch hier recht bequem und aehnlich wie in einem aelteren Flugzeugtyp, doch zum liegen wenig geeignet.
Am Schlimmsten aber die vielen Kontrollen durch die Autobahn-Polizei: An die 10x wurden wir angehalten – einmal gar nur 500 Meter nach der letzten Kontrolle! Dabei kommen Taschenlampen bestueckte Polizisten oder –Innen in den Bus, leuchten den halb- oder ganz schlafenden Passagiere ins Gesicht und fordern einige auf, den Bus zur genaueren Kontrolle zu verlassen und Papiere und Handgepaeck mitzunehmen. Fast immer sind es die gleichen 4-6 Passagiere: Meist Junge mit etwas laengerem Haar und Maenner mit einfacher Kleidung und die statt Handgepaeck Futtersaecke oder aehnliches unter dem Arm geklemmt hatten. Draussen werden meist nur die Papiere angeschaut, dann und mann wal einen Namen ueber das Funkgeraet durchgegeben und danach wurden die Kontrollierten wortlos laufen gelassen. Die Polizisten stiessen im Bus meist mit der Hand an die im Gepaeckfach liegenden Taschen und Plastiksaecke: Mehr Routine oder Show – kaum ernstzunehmende Kontrolle: _ Also vielleicht doch Schikane oder mindest herz- und interessenlosen Dienst nach Vorschrift.
Gegen 09.00 haben wirs fuers Erste geschafft und wir sind an unserem 1. Ziel eingetroffen: Rund 2'500 Kilometer Fahrt im Bus sind hinter uns.

Veracruz aber entschaedigt uns fuer die Strapazen: Herrlicher Aufenthalt bei Verwandten, tolle Gespraeche, feines Essen und herrlichen Schnaps: Tequilla vom Allerfeinsten! Am naechsten Tag werden wir mit einem Fruehstueckbuffet in einem 5-Stern-Hotel verabschiedet: Alles glaenzt in Silber und Chrom, riesige Oelgemaelde an den Waenden, Chronleuchter wie sonst nur in Palaesten ueblich, Personal in Uniform, die einem jede Handreichung abnehmen und die gefuellten Teller an den Tisch tragen: Welch ein Unterschied zum Leben im armen Nicaragua und auf der einfachen Farm!
Wir besuchen die Altstadt, den Hafen und die kilometerlangen Straende mit feinem, schwarzen Sandstrand, an dem kaum Touristen sind, obwohl die Badetemperatur das ganze Jahr einladet und das Wasser herrlich sauber ist.

4. Tag:

Wir reisen weiter von Veracruz nach Mexico City D.F.: Wieder sind wir rund 12 Std. im Bus. Dort werden wir von lieben Verwandten bereits erwartet, welcher frueher in Paris wohnten – wo wir ihre Trauzeugen waren.

Zwei Tage verbrachte wir in der 25-Millionen Einwohner zaehlende Stadt – die damit zu einer der groessten und schmutzigsten in Zentralamerika zaehlt!
Wir besuchte die Urstaette der Maya – Indianer mit den drei hohen Pyramiden; Ich suchte nach Literatur ueber Heilkraeuter der Mayas und vorallem nach Nopal: Die Kakteenart aus der Familie Opuntien, die hier zum essen angebaut wird und Diabetiker hilft, ohne Insulin zu leben.
Ich wurde fuer all die ertragenen Qualen reich belohnt: Eine Fuelle an Informationen fand ich in Laeden, bei Besuch abgelegener Doerfer mit alter Indianerkulturen, im bekannten Nopalanbaugebiet Milpa alta – wo ich viele Gespraeche mit Anbauer, Vermarkter fuehren konnte und vom Chef der Kooperative sowie von einem Mitarbeiter im Minesterium empfangen und informiert wurde.
Ich kaufte viele Nopalprodukte in Kapseln, Pulver und Frische ein, um den Markt kennen zu lernen und von den Anbieter die Adressen zu bekommen.
Meine Frau Graciela kaufte Silber in Form von Schmuck in recht grosser Menge ein, die hier in Nicaragua willkommene Geschenke fuer die Grossfamilie sind und in Mexico sehr, sehr guenstig angeboten werden. Vielleicht werde ich das eine oder andere auch bei ebay anbieten.

5. Tag:
Wir verbringen den Tag meist im Verwandtenkreis und machen Besuche. Am Abend sind wir an einem internationalen Fest eingeladen, wo unter anderem auch Kuenstler aus Nicaragua auftreten sollen. Mit dem Privatwagen fahren wir zum Fest – eine rund 2-Stundenfahrt – alles innerhalb der Grossstadt!
Dort angekommen, fing es bereits leicht zu regnen an. Gluecklichweise fanden wir einen freien Platz unter einem Dachvorsprung, da die Liedervortraege auf einer Freilichtbuehne vorgetragen wurden. Wir konnten ein sehr modernes Balett einer hondurianischer Tanzgruppe bewundern, wobei die ebenfalls moderne Musik doch recht eigenartig und eher untypisch war. Dann wurde der nicaraguansiche Star angesagt: SALVDOR CARDENAL vom weitherum bekannten Duo Guardabarranca!
Kaum hatte dieser eines seinen politisch stark links gefaerbten Lieder angestimmt, viel der Strom und damit die Lautsprecheranlage aus! Erregt verliess der Star die Buehne und die Techniker beeilten sich – hochroten Kopfes – den Schaden zu begrenzen. Kaum aber trat der Kuenstler ein zweites Mal auf, setzte ein Platzregen ein, der fast alle Besucher entfliehen liess.
Nun war es mit der Groesse vom Grossen dahin: Schimpfend verliess auch er die Buehne. Unsere Gastgeber sind mit ihm beferundet und baten uns, zu warten: So wollen versuchen, den Mann hinter der Buehne zu beruhigen. Das gelangt – wenn es auch sehr lange dauerte. Doch noch immer beleidigte Leberwurst spielend, gesellte sich der Star mit seinem Gefolge dann zu uns und uebersah mich gefliessentlich. Ob gewollt oder nicht, stiess er mich zweimal fast um und trat auf oder gegen meinen ledierten Fuss – was ich mit lautem Murren quittierte. Dabei gab ich ihm und seinem Gefolge zu verstehen, dass ich mich auch von einem Str nicht treten lasse! Die Spannung stieg – alles war gereizt und „haessig“. Unsere Gastgeber eklaerten, dass der Kuenstler weder vor dem Auftritt noch danach etwas zu essen oder trinken vom Organisator bekommen haetten – und wohl auch darum so gereizt sei. Ein weiteres Paar in unserer Runde meldete sich zu Wort und erklaette, dass hier kaum wo gut zu essen sei und schlug vor, mit den Privatwagen zu ihnen nach Hause zu fahren, wo man einen Pizzadienst beauftragen werde, uns alle zu verkoestigen.
Das gefielt dem Star gut und passte auch uns ganz gut. Dort angekommen erfuhren wir, dass es sich um den Vizekonsul von Nicaragua in Mexico handelte, der uns in sein grosses und herrliches Haus einlud. Hier schwenkte die Stimmung um: Rund 10 riesige und verschiedene Pizzas lieferten wohl die erste Grundlage; Dann aber auch Salvador, der hier im kleinen Kreis nicht mehr der affige Star mimte – sondern ganz einfach Gast und Freund war. Hier begruesste er mich auch erstmals richtig und mit Handschlag, setzte sich dann neben mich auf die bequeme Couch im Wohnzimmer und sang eines nach dem anderen seiner tollen Lieder – was wir maeuschenstill lauschend genossen! Es wurde ein toller Schlussabend!

5. bis 7.Tag:
Rueckreise:
Diese verlief gottlobunddank viel weniger stressig als die Hinfahrt: Keine einzige Drogenkontrolle, Kaum Schlangen an den Grenzen, Busbeifahrer, die fuer uns die leidigen Papiere ausfuellten und an keiner der drei Grenzen eine Gepaeckkontrolle, die wir wegen unserem vielen Eingekauften so befuerchtet haben.
Auch die Nacht in San Salvador – bereits mit dem miesen und doch 25 Dollar teueren Zimmer abgefunden – machte weniger Bauchweh. Zumal ich einen kleinen Schnapsschuppen fand, wo ein einheimischer Wodka mit unbekannten Namen angboten wurde, der jedem Smirnoff ebenbuerdig war. Auch das Nachtessen nahmen wir in einem von aussen schlimm aussehenden Einheimischenrestaurant ein: Schmackhaft, sauber und unglaublich guenstig! Schweizer, die mit uns im Bus fuhren, kamen nur kurz ins Lokal und verliessen es naseruempfend sofort wieder. Als sie uns ueberrascht fragten, ob wir das Zeugs dort wirklich gegessen haetten und feststellen mussten, noch wir noch am Leben waren - verstanden die Welt nicht mehr!

Noch viel ware zu erzaehlen:
Hauptsaechlich auch zu meinen neuen Erkenntnissen zum Thema Nopal gegen Diabetes:
Doch davon ein anderes Mal.

Nica-Hanspi

Buecher zum Thema:

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Sintflut nach dem Hurikan

Geschrieben am 03.06.2005 : Heute neu eingestellt.

Sintflut in Nicaragua

Nach dem Hurikan die sintflutartigen Regenschauer.

Nachdem seit nunmehr fast 6 Jahren kaum mehr nennenswert Regen fiel, kommt nun des Guten ziviel! Schon drei Tage regnet es so stark, dass man meint, es sei ein Staudamm gebrochen! Meist in der Nacht fallen hektoliterweise Wasser vom Himmel, die alle Baeche – seit Jahren trocken – zu reissenden Fluesschen anschwellen lassen.

Nur 100 Meter vor meiner Farm mussten in der Nacht aus einem direkt an der Panamerikna gelegenen Haus drei Kinder evakuiert werden. Der Regen hatte den Graben zwische Strasse und Haus so aufgefuellt, dass ein ueberschwappen der Wasser-/Geroell- und Erdmassen ins Haus zu befuerchten war. Hier besonders schlimm, da die Haeuser fast alle aus Lehm bestehen, die sich durch eindringendes Wasser schnell vollsaufen und zerbroeckeln – was innerhalb kuerzester Zeit zum Einsturz des ganzen Hauses fuehren kann.

Eben sprach ich mit einem anderen Schweizer Farmer: Ihm hat der Regen eind recht grosse - bereits angesaete - Landflaeche einfach weggespuelt! Dazu riss der Fluss einen eben erstellten neuen Viehzaun auf einer Laenge von etwa 2 Kilometer weg!

Ich kann seit Tagen nicht mehr auf die Farm: Auch ein 4x4-Transporter schafft es nicht, die aufgeweichte Strasse mit Geroell und Schlamm zu passieren. So muessen die Arbeiter auf der Farm mit dem Noetigsten per Esel oder zu Fuss versorgt werden, wobei die Leute dann durch knietiefes Wasser waten muessen.

Nica-Hanspi

Das Buch zum Thema:

Hurikan 2

Nun ist sie vorbei: Die befuerchtete Schreckensnacht!
Gottseidank ohne Probleme und Schaden!
Zwar peitschte der Regen mit rieiger Wucht an Haus und Fenster, sodass man jeden Moment glaubte, es muesste wohl demnaechst einstuerzen. Vorsorglich hatten wir alle Fenstyer mit Brettern vernagelt oder wenigstens mit Klebband sternfoermig verklebt ( So soll bei einem Sturm mit Glasbruch die Splitter nicht im ganzen Raum herumfliegen!)

Im Fernseher sehen wir dauernd Bilder von anderen Gegenden und auch aus unserem Dorf. Schlimme Bilder: Weinende Menschen, die vor ihrem einstigen Hab und Gut standen, das in sekundenschnelle zerstoert wurde - auch mir kommen da oft einfach nur die Traenen.

In unserem Dorf war der Schaden nicht allzugross. Dennoch waren viele Frauen - hauptsaechlich mit Kleinkinder - in eines der geoeffneten Schulhaeuser oder anderen Gemeinschaftsraeume umgezogen - noch den Schrecken des nicht allzulange zurueckliegenden Mitsch in Erinnerung!

Bilder aus diesen Raeumen zeigen ein makabres Bild: Fast ist in der Enge der Raeume sowas wie ein Volksfest auszumachen: Lachen, lautes Palaber, ja gar singen - zumeist wohl Galgenhumor! Doch auch die wenigen anwesenden Maennern werden wohl auf ihre Rechnung gekommen sein - und es ist zu erwarten, dass die ohnehin unmoeglich hohe Geburtenrate nach dieser Nacht noch einmal anschwellen wird.

Trotz anhaltendem strengen Regen und meiner Behinderung mit dem gebrochenen Bein mit ich - mit zwi statt einem Stock ausgeruestet - fruehmorgens docj auf die Farm gefahren. Der Taxifahrer weigerte sich, die letzten 500 Meter auf der Farm zu fahren, da der Weg eher einem kleinen Bach glich: So humpelte ich muehsam und vorsichtig zum Farmhaus.

Gottseidank auch hier alles in Ordnung: Zwar war ueberall im Farmhaus und auch im Arbeieterhaus voll Wasser - doch keine groesseren Schaeden. Wir mussten natuerlich die geplante Aussaat der Bohnen ( angedacht war eine Flaeche von 2,5 Ha) auf naechste Woche schieben. So fuellten wir den Tag mit Reperaturen im Haus und erstellten Plastikverschlaege fuer die Zucht - Vogelkaefige. Auch die freilaufenden Kaninchen fingen wir groesstenteils ein und sperrten sie fuer ein paar Tage in die Farmkueche, wo es trocken und waermer ist.

Froh, meine ersten Life-Hurikan heil ueberlebt zu haben, bleibt doch ein gemischtes Gefuehl: Ich denke an die vielen armen Leute die es wieder einmal am haertesten getroffen hat!
Nica-Hanspi

Das Buch zum Thema:

Hurikan

Verfasst am Donnertag, den 19.05.2005 - heue neu eingestellt:

Thursday, May 19, 2005
Hurikan
Eben habe ich diesen Blogg eroeffnet und hoffe, damit einen grossen Schritt im Internetleben gemacht zu haben ( Wie sagte einst Amstrong auf dem Mond? Ein kleiner Schritt fuer mich - ein grosser fuer die Menschheit - oder so aehnlich!)

Draussen regnet es in Stroemen - der erste - langersehnte Regen seit mehr als 6 Monaten! Wie immer, kommt das ersehnte Nass aber in einer so grossen Menge, dass es erst mehr schadet, als nutzt: Die harte und ausgetrocknete Erde kann das lebenserqickende Nass nicht aufnehmen - so ernstehen sofort riesige Baeche, Fluesse und Stroeme, die alles mitreissen, was nicht fest verankert ist. Nebenan im Fernsehen hoere ich, dass eben der erste Tote in Managua zu beklagen ist: Ein Mann im Fahrrad - Taxi wurde von einem umstuerzenden Strommast getroffen und strab auf der Stelle.

Hier im Kleindorf SOMOTO ist das Leben schlagartig zu Stillstand gekommen: Die Strassen sind (fast) menschenleer: Einige Taxis quaelen sich Fontaenenspritzend durch die Gassen und 2 Buben spielen umverdrossen mit dem Ball - was mich strak an unser Wasserball in der Schweiz errinnert - als alter Horgner ( das x-Mal Schweizermeister wurde) ein tiefverwurzeltes Bild.


Das Buch zum Thema: