Monday, January 16, 2006

Iran Politik aus Sicht eines in Managua lebenden Iraners

Baut das Mullahregime im Iran die Atombombe?
Werden die Vereinigten Staaten von Amerika ihre Kriegsdrohungen Taten folgen lassen?
Und die Folgen?

Einst Sieger, Eroberer und Gründer eines Riesenreiches von Indien bis nach Griechenland und Ägypten, sind sie, die Iraner seit 1400 Jahren ewig besiegte und eroberte.
In tausenden von Teehäusern werden sie im ganzen Land durch das Rezitieren von Ferdosis- Gedichten an diese Glorreiche Zeiten erinnert. (Ferdosi hat vor ca.1100 Jahren das Persische Epos in Gedichtsform geschrieben)
Somit wird das historische Gedächtnis mit der Nostalgie gespeist, wieder ein Großer unter den Großen zu sein. Der Versuch des Schah durch die Veranstaltung der 2500 Jahrfeier der Errichtung des iranischen Kaiserreichs und durch seine subimperialistische Machtpolitik in der Region am Persischen Golf musste scheitern und konnte das Volk nicht für seine Ziele mobilisieren, weil die Iraner in Ihm nicht den echten Nachfolger von Cyrus dem Großen, dem Gründer des Reiches, sondern den Marioten der anglo-amerikaner sahen, der 1953 durch einen CIA – Putsch an die Macht gelangt war.
Was ist aber mit den Mullahs:
Seit der Gründung der islamischen Republik führen diese Machthaber einen für den Iran ruinösen Schattenkrieg gegen den Westen insbesondere gegen die USA, der eher an die weltfremde Schwärmerei eines Don quijotes erinnert. Die Islamische Republik gebärdet sich als antiimperalistisch, wenn sich auch die Interpretation ihres Kampfes mit der Auslegung einer notwendig realistischen Auseinandersetzung nicht deckt. Aber der Adressat dieser Politik ist in erster Linie nicht der Westen oder gar die USA, sondern vielmehr der iranischen Schwärmer. Nachdem die Islamisierung des Landes und auch die sogenannte Reformpolitik des Regimes gescheitert sind, setzen die Mullahs jetzt auf einen verlogenen Nationalismus. Der Aufbau der Atomkraft und vielleichtauch der Atombombe ist einzig und allein in diesem Sinn zu verstehen. Zu diesem Zweck haben sie auch bei ihrem Propagandafeldzug vor den letzten Wahlen einige andere Felder für sich in Anspruch genommen: Die Ungerechtigkeit, die Armut der Massen, die Wirtschaftskrise und die Korruption. Das Regime hat sich schon bei seiner Gründung als Vertreter und Interessenbewahrer der verarmten Bevölkerungsteile bezeichnet.Was ist aber wirklich seitdem zugunsten dieses Teils der Bevölkerung passiert? So gut wie gar nichts! Im Gegenteil kann man ruhigen Gewissens sagen, dass sich die Lage der entrechteten wesentlich verschlechtert hat und deren Zahl enorm gestiegen ist. Hatte ein einfacher Bauarbeiter beim Abgang des Schahregimes umgerechnet 10 US Dollar verdient, hat sich sein Tageslohn unter dem neuen Regime auf 2,5 US Dollar reduziert, was ja vorwiegens auf die enorme Zunahme der Arbeitslosigkeit zurück zuführen ist. Die Zeitungen haben berichtet, dass der ehemalige Bürgermeister von Teheran und der jetzige Präsident Ahmadinedjad in der Stadt für die arme Bevölkerung eine warme Mahlzeit organisiert hat, an der täglich 2 Millionen Teheraner teilnehmen. Legt man aber die Bevölkeungszahl von Teheran von 10 Million zugrunde, wovon diese 2 Million unter der Armutsgrenze leben und rechnet es mit der Gesamtbevölkerung des Iran mit 70 Millionen hoch, dann ergeben sich mindestens 14 Millionen Menschen in Iran, die hungern. Allerdings müsste man nämlich eine große Zahl von Menschen hinzuzählen, die aus Schamgefühl oder durch Uninformiertheit sich gar nicht in die Schlangen der Hungernden stellen. Die Zahl der Hungernden und Entrechteten beliefe sich dann zwischen 15 und 20 Millionen. Diese Mullahs herrschen aber in diesem Land seit nun mehr als 26 Jahren. Sie haben selbst die Armut, die Ungerechtigkeit, die Wirtschaftskrise und letztlich auch die Korruption produziert. Die Armut und der Hunger dieser Masse von Menschen ist aber nicht nur materiell, sondern auch geistig intellektuell. Für diese Masse selbst wäre eine fundierte aber ebenfalls intellektuell kompliezierte sozioökonomische Analyse, deren Ursache und das Aufzeigen wirklich sozialer Lösungen der Probleme angesichts ihrer kulturell- und Bildungsmäßigen Misere nicht verständlich. Sie ist nicht eine Masse, die für die wirkliche Verbesserung ihrer Situation kämpft. Sie sucht Erbarmen und die islamische Republik gewährt ihr Gnade durch eine tägliche warme Mahlzeit und erklärt sich barmherzig gegenüber den Entrechteten.
Einfache Geister sind mit simplen Erklärungen zufrieden zu stellen und eben deshalb ist diese Masse aber auch in mehrfacher Hinsicht Beute des Regimes, weil erstenes aus ihrer Mitte die Lumpen mit den Schlägertruppen zur Unterdrückung demokratischer Veränderung rekrutiert, eingesetzt und missbraucht werden. Zun zweiten bildet sie die ideologische Stütze der Herrschenden, die von ihnen mit schicksalhaften Gott gewollten Phrasen gefüttert und im Bann der Ideologie festgenagelt wird. Und drittens würde sie dem Regime im Falle eines amerikanischen Angriffs auf den Iran als Kanonenfutter dienen. Aber was die Reichen und wohlhabenden anbelangt, befriedigt das Regime, angesichts der enormen Erdölneinahmen alle ihre konsumtiven Bedürfnisse durch subventionierte Importe und kann sie damit ruhig stellen, wenn ihnen auch jegliche Freiheiten im privaten und gesellschaftlichen Bereich verboten bleibt. Mit Sicherheit kann gesagt werden und es gibt genug Beweise dafür, daß die letzten Wahlen des Präsidenten im Iran von Betrug, Manipulation, Doppelzählungen und Einflußnahme gekennzeichnet waren. Sie entsprachen auch keineswegs demokratischen Prinzipien. Aber der Erfolg der Fundamentalisten ist hauptsächlich auf die genannten Faktoren zurück zuführen. Tatsache ist, daß die Iraner in langen Schlangen gestanden haben, um Herrn Ahmadinedjah ihre Stimme zu geben.

Renaissance der religiösen Spiritualität

Eine weitere Tatsache, die zur Zeit in der ganzen Welt zu beobachten ist, ist eine Wiederbelebung der Religionen. Zum Tod des letzten Papstes sind Millionen Menschen nach Rom gepilgert und um den Papst Benedikt zu begrüßen, erschienen zum kath. Weltjugendtag in Köln mehr als eine Million Jugendlicher.
Am Rande erwähnt, muss festgehalten werden:
Der Kapitalismus hat versagt. Er hat die traditionellen Werte zerstört. Neben enormen ökonomischen Entwicklungen eine Menge soziales Elend, Arbeitslosigkeit, Ungerechtigkeit produziert, Kriege und Kolonialismus hervorgebracht und in der sogenannten dritten Welt anstelle der ständig postulierten Demokratie von den Metropolen abhängige Diktaturen instaliert. (siehe das Schahregime)
Der Bolschewismus im Kleid des Sozialismus hat auf allen ökonomischen, sozialen, politischen kulturellen und nicht zuletzt moralischen Ebenen versagt. Die modernen Wissenschaften haben neben vielen Fortschritten auch die Atombombe entwickelt. Sie haben den Kriegern und den Kriegen die schlimmsten Vernichtungsmittel geliefert. Sie sind auch elitär geblieben und den Zugang der Massen zu neuen Erkenntnissen verweigert, damit ein gesellschaftlich neues und positiv-kritisches Denken entsteht. Dies und vieles andere, nicht zuletzt die Neigung des Menschen zum übernatürlichen und märchenhaft Infantilen sind Momente, die die Renaissance der Religionen möglich gemacht haben. Da die Entwicklungen der letzten 200 Jahre viele Enttäuschungen verursacht haben suchen hunderte von Millionen von Menschen auf der geanzen Welt ihr Heil in der Religion.

Religion:
Sollte die Rückbesinnung auf die Religion in Europa eine Art Psychotherapie für die Heilung der Wunden der modernen Welt sein, weist das zurückfinden zur Religion in der islamischen Welt neben dem psychoterapeutisch unbewussten Effekt, auch einen defensiv – aggressiven Charakter.
Da der Westen in der dritten Welt jahrhunderte lang und heute noch ausschliesslich die Rendite aus diesen Gebieten für seine Wirtschaft im Auge hatte und noch hat, ist die sogenannte islamische Bewegung in sofern defensiv, als sie dieser Ausbeutung einen Riegel vorzuschieben vorgibt. Allerdings muss einschränkend darauf hingewiesen werden, das das Ziel hauptsächlich auf die Wiederherstellung der altbewährten „sittlich moralischen Werte“ gerichtet ist, als auf die Eliminierung der ökonomischen Ausbeutung, denn es ist der Einfluss des degenerierten Westens, der „unsere“ Moral zersetzt. Die Einführung des Schleierzwangs für alle Frauen in Iran und die totale Verbannung derer von der Öffentlichkeit durch das Talibanregime in Afghanistan, sind Beweise dafür, wo die neue Renaissance des Islam hinführt. Diese alt hergebrachte Sittlichkeit ist wie die bisherige Praxis zeigt, hauptsächlich gegen die Frauen gerichtet.
Das Wort „Alkaede“ bedeutet:
Die Norm, das Prinzip, Amerika und Europa sind der Sumpf der Unsittlichkeit! Biblisch – koranisch ausgesprochen, sind sie Sodom und Gomorra. Dieses Babel der Sünde hat auf die islamische Welt rückgewirkt. Und deshalb kann Alkaede bei der Beseitigung der Sünde in der islamischen Welt nicht halt machen. Die Quelle muss versiegen! Sie fühlt sich von Gott beauftragt die Sünde weltweit zu bekämpfen. Es ist richtig, dass die neuesten militärischen Interventionen der USA in Afghanistan und Irak diesen Radikalen Islamisten neue Nahrung zugeliefert haben, aber die Terrorakte im Westen tragen gleichzeitig den Stempel ihres Kampfes gegen das Babel der Sünde. Die Bomben auf Bali gegen Touristen belegen diesen Tatbestand.
Die jüdisch – christlich – islamische Sittlichkeit ist die Norm, die die Welt zu befolgen hat. Und wenn sie es nicht tut, werden wir sie durch Bomben und Terror erzwingen.
Bei der Zerstörung des World -Trade-Centers und bei den Morden in London war der Westen schockiert, dass die Zerstörungen und Morde völlig unschuldige Menschen trafen. Vernachlässigt man die Ideologie der Notwendigkeit der Eliminierung des Sodom und Gormorra, kann man dann so verwundert sein? Für den Kreis um Alkaede ist aber die Tötung von Frauen und Männern, die Unsittlich leben und die Tötung von Kindern, die in diesem Sinne erzogen werden, die von Gott befohlende Wahrung der Sittlichkeit und keineswegs Mord an Unschuldigen. Bei dieser Handlungsweise verlassen die Islamisten allerdings den Charakter der Defensive gegen die Ausbeutung durch den Westen.
Sie sind dann aggressiv und wollen ihre reaktionären Wertvorstellungen zur Weltnorm erheben und sie der gesamten Menschheit aufoktroyieren. Aber ob diese Islamisten es billigen oder nicht, es muss gesagt werden, dass auch die islamische Welt sich im Rahmen der Globalisierung in der Übergangsphase von der stagnierten Gesellschaft in die Moderne befindet. In dieser Phase sind allerdings die verharrenden Kräfte der alten Gesellschaft noch sehr stark, sie spüren, dass ihre Macht und ihre Werte schwinden. Sie befinden sich eigentlich in der Defensive, gehen aber zum Angriff über. Die militärischen Interventionen des Westens sind der Alkaede aussergewöhnlich willkommen.Allerdings muss auch daran erinnert werden, dass die Modernisierung und Demokratisierung Europas auch nicht ohne massiven Widerstand der alten Kräfte zustande gekommen ist. Die dreißigjährigen Kriege sind das beste Beispiel dieser Auseinandersetzung. Noch im 20. Jahrhundert haben die alten Kräfte
- in neuen Kleidern – Europa ihre alten antidemokratischen Vorstellungen aufzuzwingen versucht.
Der Faschismus, der Bolschewismus, die vielen Diktaturen und jetzt auch grosse Teile des islamischen Widerstandes gegen das Moderne sind unter dieser Kategorie unter zubringen. Alle sind von Feindschaft gegen die demokratische Staatsform und gegen die Freiheit des Individuums, sein Privates und gesellschaftliches Leben selbst zu bestimmen, geprägt. Wenn sich aber die Wirtschaft, der Verkehr zwischen den Staaten, wenn sich kulturelle, wissenschaftliche, sportliche und sonstige Beziehungen in der Welt globalisieren, so globalisiert sich auch die Kraft der Reaktion gegen die Modernität, gegen die Demokratie, gegen das Menschenrecht auf die freie Entfaltung und was diese radikalen Islamisten anbelangt, gegen die Emanzpation der Frauen. Dies um so mehr in jenen Ländern, deren konservativ-reaktionäre Lebensvorstellungen, trotz aller Veränderung in der sozioökonomischen Struktur nicht sehr viel oder höchstens an der Oberfläche geändert haben. Die Zerstörer des World – Trade – Centers, die Bombenleger von London und die bewaffneten Terroristen in Irak und Afghanistan sind zwar alle Moslems, aber sie stammen nicht aus einem Land. Sie sind Nigerianer, Somalier, Ägypter, Pakistani, Jordanier, Iraker usw. Kurios ist, das bis jetzt kein einziger Iraner darunter gewesen war, obwohl oder vielleicht weil sich in diesem Land ein islamisches Regime etabliert hat.
Kann sich das aber ändern? Mit anderen Worten, werden es die Amerikaner schaffen, mit ihrer Bombendrohung oder gar mir später tatsächlicher Anwendung von Gewalt die Iraner hinzuziehen? Ich fürchte ja! Bei aller scharfer Kritik gegen das Mullahregime ist festzustellen, daß bei diesem Regime vergleichsweise mit der Alkaede – Terroristen eine relativ harmlose Don quijoterie und nicht echte kriegerische Absicht zu sehen ist. Die Amerikaner werden es kaum riskieren, den Iran zu besetzen, denn die Gefahren die für sie damit verbunden wären, sind weit aus größer als im Irak. Der Iran ist ein riesengroßes Hochland mit einer Bevölkerung von über 70 Millionen, wovon mindestens die genannten 15 Millionen entrechteten und opferbereiten Menschen, zum direkten Eintritt in das Paradies dem Regime zur Verfügung stehen. Die USA bräuchten mindestens 3 Millionen Soldaten und eine enorme Logistik um den Iran zu besetzen. In einem solchen Fall würde das Regime vor seinem Sturz diese Millionen (große Teile davon) militärisch schulen, bewaffnen und einen noch nie dagewesenen Partisanenkrieg in den Bergen von Iran gegen die Besatzungsmacht organisieren und den amerikanischen Soldaten große Verluste zufügen. Es muss daran erinnert werden, dass es den US- Militärs- trotz aller Anstrengungen – nicht gelungen ist. Bin Laden und die Restgruppen der Alghaide in den Bergen von Afghanistan dingfest zu machen. Der iranische Widerstand wird andere Dimensionen haben und wesentlich erbarmungsloser sein. Die Amerikaner selbst wissen, daß eine Besetzung des Iran und die Vertreibung des Regimes nicht in Frage kommt. Was übrig bleibt, ist mit Raketen und Bomben iranische Anlagen, Industriegebiete und Städte zu erstören. Das erste Ergebnis einer solchen Strategie wird sein, daß das Mullahregime an der Macht bleibt und als erstes wird es die gegen sie gerichtete Kritik im Land selbst im Keime ersticken. Hand in Hand damit wird es dazu übergehen die gesamte Erdölindustrie des persischen Golfes nicht nur des Irans in Brand zu stecken, um die Zufuhr des Erdöls nach dem Westen total zu sabotieren, wogegen die derzeitigen Piplinesprengungen im Irak als Mückenstiche betrachtet werden müssen. Danach folgt ein Krieg mittels terroristischer Aktionen und unmessbaren Zerstörungen im gesamten Westen als Rache gegen die Zerstörung des Iran organisiert werden. Das Regime wird seine intelligentesten Kader mit gut gefälschten italienischen, spanischen oder gar amerikanischen Pässen versehen und sie mit dem Ziel der Zerstörung in die Welt schicken. Es gibt eben diese bereite Masse, arbeitslos, hoffungslos, unwissend resigniert, die Gottergeben an die von den Mullahs vorgegebene Schicksalhaftigkeit glaubt. Sie ist bereit auf persönliche Interessen, auf Eigenständigkeit und auch auf Wohlstand zu verzichten, weil ihr Sein von den Mullahs als unveränderlich Gottgewollt einsuggeriert wird. Diese Masse lebt ständig mit dem quälenden Gefühl der Sündhaftigkeit. Buße tun ist ihr Wunsch und der Mullah kann ihr den Weg weisen, weil nur er in Abwesenheit des 12. Eman der Schiiten ihr Heil bei Gott erbeten kann. Es liegt nicht in der Macht dieser Menschen, die einsugggerierten Sünden, die sie von Adam und Eva geerbt haben, ungeschehen zu machen, sie können die Sünde nicht tilgen, sie nicht aus der Zeit löschen. Es ist eine geheimnissevolle, überirdische Handlung. Nur Gott vermag die Sünde rein zuwaschen, sie in nichts zu verwandeln, sie zu vergeben, denn allein er ist frei und allein er kann Wunder vollbringen. Der Platz in der Gottesordnung macht den Menschen frei und gut und außerhalb dieser böse. Die Iranischen Mullahs mit etwas milderen und die Leute von Alkaede mit der radikalsten Interpretation des Lebens des Proheten Mohammed betrachten sich als die große Bewegung, die die Art der Lebnesführung erkenntlich machen kann. Sie sagen, dass man große Dinge auf dieser Welt nur mit einem Kollektiv von grenzenlos ergebenen Menschen schaffen kann, die ihr Leben demütig für den höheren Zweck hingeben kann.
Im Gegensatz dazu suchten die jungen Menschen, die nach Köln zum kath. Jugendfest gingen, ein Happening, sie suchten ein Fest, ein Flirt, sie wollten aber auch die ständig wachsende Anspannung in der modernen Welt durch ein spirituelles Gebet etwas mildern und etwas Trost finden. Und das ist der Unterschied zu den defitistischen Massen in der islamischen Welt. Kein junger Christ würde sich als Selbstmordattentäter für die Ziele der Kirche hergeben. Die jungen Katholiken lehnen in ihrer Masse den Dogmatismus der Kirche ab, sie sind bar des Demuts. Nicht nur das, trotz des kirchlichen Verbots haben sie vorehelichen Sex, sie verhindern Schwangerschaften und wo sie können, ja sie treiben sogar ab.
Wir sind aber derzeit täglich Zeuge von Selbstmordattentaten junger Moslems, die sich der geforderten Demut der Islamisten unterwerfen. Und im Falle eines Angriffs der Amerikaner auf Iran würde sich diese Situation auf weit, weit höherer Stufenleiter in eine Weltweite Katastrophe führen, deren Folgen nicht einmal eingermaßen abzusehen sind.Es ist zu befürchten, daß die Antwort auf die Frage, ob die Intervention der USA in Iran, den Terror der Islamisten auf eine wesentlich höhere Stufenleiter entwickeln wird, Positiv sein wird. Die Wahl des Herrn Ahmadinedgan gibt Anlaß dazu.

Militärische Strategie der USA gegen den Iran

Die USA behaupten, dass das Mullahregime dabei ist Atomwaffen zu produzieren. Allerdings, wie damals im Falle von Irak ohne Beweise zu liefern. Was steckt tatsächlich dahinter und was beabsichtigen die USA?
Tatsache ist, dass der heutige Iran kein gefügiger Regionalpolizist für die Wahrung der Interessen der USA am Persischen Golf, wie zur Schahzeit ist und zu dem ist er als großer Waffenkäufer der US – Rüstungsindustrie ausgefallen. Es scheint so, als sich handfeste materielle Interessen mit Rachegefühlen gegen einen ungehorsamen Untertanen gepaart haben.
Aber wie aus zuverlässigen, auch amerikanisch Publikationen zu entnehmen ist, betreiben die USA eine drei Phasenstrategie gegen das Mullahregime.
Zunächst einmal überließen sie es den Europäern den diplomatischen Dienst zu leisten, der den Verzicht das Irans auf Urananreicherung zur Folge haben sollte, selbstverständlich mit der sicheren Annahme, dass der Iran diese Ambitionen ablehnen wird.
Die zweite Phase ist das Ingangsetzen der Propagandamaschinerie über die Gefahr, die aus diesem Land für die Sicherheit der USA und Israel ausgeht, um die Öffentlichkeit auf den militärischen Angriff vorzubereiten. Die erste Phase ist so gut wie abgeschlossen und während dessen wurde natürlich auch die Webetrommrl in Gang gesetzt und befindet sich derzeit auf Hochtouren.
Die US-Administration kann nicht genug vor einem Angriff auf den Iran gewarnt werden. In einem solchen Falle werdensie ein bis dahin in ihrer Geschichte nicht dagewesenes Risiko eingehen und sogar unverschuldet ihre europäischen Verbündeten mit hineinziehen. An die Adresse der Europäer ist zu appelieren, dass sie im eigenen Interesse, mit aller Kraft und auch mit dem Risiko starker Verwerfungen mit den USA sich verpflichtet fühlen müssen, eine militärische Auseinandersetzung mit dem Iran auf jeden Fall zu verhindern, denn wie erwähnt, auch für die Völker Europas steht sehr viel auf dem Spiel. Die Mullahs werden unberechenbar und erbarmungslos sein und genügend Zerstörungsmittel stehen ihnen zur Verfügung. Bei den Iranern selbst werden sie auch ihre ungeheueren Rüstungsausgaben rechtfertigen. Auch das Leben der Iraner interessiert diese Zyniker nicht.
Sie werden für alle Iraner einen Generalschlüssel für den Eintritt ins Paradies in China oder wo anders bestellen, denn nach der islamischen Idelogie wird jeder, der am Djihad für den Islam, gegen die Ungläubigen teilnimmt und sein Leben verliert, nicht auf den jüngsten Tag warten müssen. Nein, er tritt unmittelbar in den Himmel. Welch ein Versprechen für die Entrechteten, die auf Erden nichts zu verlieren haben. Im iranisch – irakischen Krieg erhielten junge Iraner, die in die Minenfelder von Saddam Hussein geschickt wurden, einen Schlüssel zum direkten Eintritt in den Himmel. Diese Schlüssel hatten aber die Mullahs vorher in der heidnischen VR. China bestellt.

Außerdem sollten die USA auf ihre iranischen Berater, die aus der Klicke der ehemaligen Pahlawi – Dynastie stammen oder ihr nachstehen verzichten. Diese Herren wollen mit ihren Lügen und falschen Erläuterungen der Lage, die Amerikaner vorschicken, um wieder im Iran an die Macht gebracht zu werden.
Die USA werden den Iran als zerstörtes Land zurücklassen, aber den Krieg verlieren und den islamischen Fundamentalismus stärken. Und nachdem sie ihren Krieg beendet haben, werden die Geschichtenerzähler in den iranischen Teehäusern das historische Gedächtnis der Iraner wachhalten und die USA dafür verantwortlich machen, nicht zugelassen zu haben, dass der Iran die ihm zustehende Grösse erreicht. Der Hass und der Wunsch nach Rache wird bleiben.
Die Iraner haben mehrheitlich den Islam angenommen aber die Araber, die ihnen den Islam gebracht haben, lieben sie auch jetzt nach 1400 Jahren nicht. Auch das sollte den Westen nicht kalt lassen. Ein solcher Krieg würde den beginnenden Demokratisierungsprozess im Iran zurück werfen. Die USA sollten ausserdem die fingierten Berichte ihrer Geheimdienste vergessen, denn diese haben den USA bislang nur Schmach bereitet.
Was nun? Zu der Strategie eines Krieges, mit oder ohne das Ziel der Besetzung des Landes, gibt es einzig und allein friedliche Verhandlungen und nichts mehr. Das Mullah-regime hat bislang keine direkte, oder indirekte, militärische Konfrontation mit den USA gesucht. Es sollte nicht dazu provoziert werden. Das Risiko eines Krieges mit dem Iran ist für beide Seiten unvorstellbar groß, worüber scheinbar die US-Strategen nicht bewusst sind. Dem Grössenwahn der Amerikaner setzen die Mullahs ihren Minderwertigkeitskomplex entgegen und dies ist nicht weniger gefährlich. Hinzu kommt, daß die Opposition und der Widerstand gegen einen solchen Krieg viel schneller in Europa und Amerika selbst wächst, als in der islamischen Welt, womit die Niederlage der Kriegspolitik der USA vorprogrammiert ist. Die Fundamentalisten im Iran sind außerdem durch die Kopplung des verlogenen Nationalismus und durch die Tatsache, daß sie die letzten Wahlen gewonnen und sich Legitimation verschafft haben, gut gewappnet gegen amerikanische Raketen und Bomben, um zum bereits erläuterten Gegenangriff zu übergehen. Hinzu kommt, daß sie das Handwerk der Kriegsführung während des achtjährigen Krieges gegen den Irak gelernt haben.

Militarisierung des Lebens im Iran und die Rolle der USA

Bereits Anfang der vierziger Jahre des 20. Jahrhunderts hatte die US-Administration erkannt, dass sich der Schwerpunkt der Erdölförderung vom Golf von Mexico nach dem persischen Golf verlagern wird. Dem zufolge sollte eine lokale Macht installiert werden, die die Interessen der amerikanischen Erdölkonzerne garantiert, ohne das die USA selbst die Kosten dieser Sicherheit tragen mussten. Mit dem CIA-Putsch von 1953 gegen die demokratisch gewählte Regierung des Herrn Dr. Mossadegh und die Einsetzung des M. Reza Pahlawi als Monarch schien das Ziel erreicht zu sein.
In der Folge wurden die Waffenverkäufe der USA und der Europäer einschließlich der BRD an das Schahregime immer größer und riesenhafter und das Sach-regime konnte diese mit den Erdöleinnahmen finanzieren. Beliefen sich die Waffenverkäufe der USA an Iran in der Zeit von 1946 bis 1970 auf 1,5 Mrd. Dollar, waren es in der kurzen Zeit von 1971 – 1975 bereits 7 Mrd. Dollar. Weitere Waffenverkäufer an den Iran waren GB, die BRD, Frankreich, Italien, Israel und kurioserweise auch die kommunistische Sowjetunion. Da der Iran selbst über die nötigen Mannschaften zur Bedienung und Wartung dieser Waffensyteme nicht verfügte, erreichte die Zahl der teueren amerikanischen Militärberater im Iran zuletzt (1978) die 35000 Mann Grenze. Daneben wurde die Ausbildung iranischer Offiziere und Mannschaft auch wieder für teueres Geld in den USA, GB, BRD, Frankreich, Italien und Israel betrieben. Den amerikanischen Militärberatern wurde zusätzlich dipl. Immunität gewährt, was ja bedeutete, daß die iranische Justiz für alle Verbrechen, die von diesen Soldaten im Iran hätten begangen werden können, nicht zuständig war wodurch die religiöse Opposition Nahrung zur Propaganda gegen das Regime erhielt.
Aber war das Schahregime als Garant der Erdölversorgung mit dem Kauf modernster Waffen ausgerüstet, so konnte es nicht lange auf sich warten lassen, dass die anderen Anreiner Staaten am persischen Golf in Konkurrenz zu Iran auf dem Markt traten und somit für blühende und lang anhaltende Geschäfte der Waffenindustrie in West und Ost sorgten, womit die hohen Erdöleinnahmen von diesen absorbiert werden konnten. Als Alternative hätte auch dieser Reichtum auch zur sozioökonomischen Entwicklung der Region verwendet werden können. Während das Schahregime neben der Statthaltertätigkeit für die USA auch eine eigene Subimperialistische Regionalpolitik betrieb, fühlt sich das Paranoieregime der Mullahs von aller Welt bedroht. Und demzufolge setzt sie die vom Schah begonnene Militarisierung im Iran fort. Die gelieferten Waffen aus dem Westen waren während des Iran – Irak Krieges vernichtet worden. Außerdem waren jetzt die USA ganz und andere westliche Länder zum großen Teil als Waffenverkäufer am Iran ausgefallen. Man setzte daher in erster Linie auf die Eigenproduktion von Waffen.
Das vorgegebene Ziel war:
1) Langfristige Preiswerte Versorgung der iranischen Armee mit Rüstungsgütern.
2) Die Rüstungsinvestitionen sollten heimische Arbeitsplätze schaffen, zur Qualifizierung dieser Arbeitskräfte beitragen, Forschungs und Entwicklungskapazitäten herstellen.

Da aber der Versuch des Aufbaus der eigenen Rüstungsindustrie auf der Basis einer nicht umfassend entwickelten Industriestruktur erfolgten, waren außerordentliche Investitionen erforderlich, um überhaupt die Voraussetzungen für die Entwicklung eines einigermaßen modernen Waffensystems zu erreichen. Und wenn dies erreicht war, mussten diese Produktionsstätten logischerweise derart große Kapazitäten haben, daß die Belieferung der eigenen Armee mit den Produkten nicht ausreichte. Aber nicht nur der Import, sondern auch der Export von diesen war dem Regime verwährt. Die kleinen Waffengeschenke an die Hisbollah in Palistina, Libanon und an Bosnien Heregowina konnten keineswegs den Exportbedarf der neu entstandenen Waffenindustrie des Iran decken. Dieses Dilema führte erstens dazu dass die Stückkosten wesentlich höher waren, als wenn man sie importiert hätte und zweitens zur immer höheren Erweiterung der iranischen Armee, um diese Kapazitäten einigermassen zu nutzen, so daß der Iran heute zahlenmäßig über die stärkste Armee in der Region verfügt. Die Umfangreichen Produktionsanlagen für die Rüstung wirkten sich außerdem sehr negativ auf die notwendige Entstehung einer ausgeglichenen Industriestruktur, die in der Lage gewesen wäre die Bevölkerung mit notwendigen Produkten hinreichend zu versorgen. Der Beschäftigungseffekt blieb ebenfalls aus, Massenarbeitsplätze konnten nicht geschaffen werden, weil notwendige Investitionen pro Arbeitsplatz gerade in der Rüstungsindustrie außerordentlich hoch ist. Die Bedienung und Wartung der komplzierten Geräte und Maschinen in diesem Bereich erfordert hochqualifizierte Arbeitskräfte. Es war und ist so erforderlich qualifizierte Wissenschaftler und Techniker, so weit vorhanden, aus dem zivilen Bereich zugunsten der Kriegsrüstung ab zuziehen. Die Verwendung großer Teile der knappen personellen technologischen und finanziellen Resourcen im Rüstungsbereich verhinderte somit auch den Aufbau nationaler Forschungs und Entwicklungskapazitäten, die zur Überwindung der Unterentwicklung notwendig gewesen wäre.
Auch auf der untersten Ebene der Bildung und Ausbildung hat das Regime wegen seiner Militarisierungspolitik versagt. Gerade die Entrechteten, auf die sich das Regime so beruft, sind fast vollständig aus der Sphäre der Bildung und Ausbildung ausgeschlossen. In den Elendsvierteln gibt es ausschließlich Schulklassen von 60 – 80 Kindern und schlecht ausgebildete und schlecht bezahlte Lehrer, die dann in zwei Schichten, morgens und nachmittags in solchen Klassen unterrichten müssen. Daß die Absolventen dieser Klassen nie eine Chance haben werden in eine moderne Gesellschaft integriert zu werden, liegt offen auf der Hand. Dagegen gibt es in Iran private Schulen und Universitäten mit gut ausgebildeten Lehrern und Dozenten, deren Klientel aus reichen und wohlhabenden Familien stammt. Die Politik der islamischen Republik hat in den letzten 27 Jahren dazu geführt, daß eine kleine Minderheit sich immer mehr bereichert hat, dass die geringen Resourcen des Landes- anknüpfend an die Politk des Schahregimes- für Rüstung und Militarisierung verschwendet worden sind, wo gleichzeitig der eingegangene Weg zur immer größeren Verelendung der angeblichen Massenbasis des Regimes geführt hat. Die Propaganda des Rattenfängers Ahmadinedjad und die übrigen Fundamentalisten, die Korruption zu bekämpfen, eine gerechte Gesellschafft zu kreieren und die Wirtschaftskrise und die Arbeitslosigkeit zu überwinden, bleibt Makulatur, weil er an der bisherigen Rüstungs-wirtschafts-sozial und Kulturpoiltik nicht wird rütteln können. Das islamische Regime hat einige sogenannte religigöse Stiftungen gegründet, die einen großen Teil der iranischen Wirtschaft in ihrem Würgegriff haben und deren Nutznießer die Bosse der Revolutionsgarden sind. Wird Herr Ahmadinedjad in der Lage und Willens sein, diese und somit die Revolutionsgarden zu zerschlagen? Kann er und will er die ennormen Militärausgaben zumindest reduzieren? Die Anwort auf diese Frage ist nein. Die Masse der Entrechteten wird sich vergrößern. Sie wird weiterhin als Beute ausgenutzt werden. Sie darf vielleicht für den Islam sterben. Weltliche Rechte erhält sie aber nicht. Es ist sogar zu vermuten, dass das Regime diese Masse in ihrem dumpfen Dasein erhalten will, um seine eigene Herrschaft fortdauern zu lassen. Die Bombadierung oder gar die Intervention der USA im Iran würde dem Regime außerdem die Rechtfertigung verschaffen, die Versprechungen über die Reformen zu gunsten der Entrechteten zu vertagen und an deren Stelle von den Menschen noch mehr Opfer verlangen.
Die Bekämpfung der Korruption kann nicht ohne öffentliche Kontrolle zustande kommen. Sie ist außerdem von den Protagonisten des Regimes von oben nach unten durchorganisiert. Wenn ein einfaches Gesetz der Wirtschaftspolitik besagt, dass der Staat stets zwischen Kanone und Butter zu wählen hat, so haben sich die Mullahs füe die Kanonen entschieden und ihre Atompolitik ist ebenfalls in diesem Rahmen zu verstehen, womit sie die Unterentwicklung des Landes perpetuieren. Das islamische Regime hat auf falsche Prioritäten gesetzt. Es ist auch nicht fähig sie zu ändern. Der Propagandafeldzug der USA aber, der Iran könnte die Sicherheit der USA und Israels gefährden, wenn er die Atombombe und die dazugehörigen Trägerraketen besitzen würde, ist absurd. Selbst wenn der Iran die Bombe und Raketen mittlerer Reichweite (die letzten besitzt der Iran), könnte er die USA keineswegs erreichen und bedrohen. Er könnte aber theoretisch mit diesen das Gebiet von Israel erreichen. Dies ist aber auch noch absurder, denn das Regime tritt als Sachwalter der Palistinenser auf. Die Israelis und Palistinenser wohnen aber so dicht beieinander, dass eine derart fiktive Bombardierung Israels, gleichzeitig den massenhaften Tod von Plästinenser herbeiführen würde. Diese Propaganda der USA ist nichts anderes als Augenwischerei der eigenen und der europäischen Bevölkerung. Abgesehen von den großen Gefahren, die ihren Soldaten drohen, wenn sie im Iran militärisch intervenieren, sollten sie sich nicht anmassen, in Iran die Demokratie einzuführen, denn sie sind mit dem Blick auf ihre vergangene Politik in diesem Land unglaubwürdig. Außerdem liegt es offen auf der Hand, dass sie wieder für die Region einen von ihnen abhängigen Polizisten suchen. Die Iraner eignen sich aber nicht für diesen Zweck. Die Errichtung eines demokratischen Staates im Iran ist allein und einzig Aufgabe der iranischen Demokraten und des iranischen Volkes selbst. Das islamische Regime wird an seinen Unvermögen scheitern und das Land nicht aus der von ihm provozierten Sackgasse heraus führen. Vor nicht all zu langer Zeit ist die große Sowjetunion nicht zuletzt an ihrer Rüstungspolitik und an der Vernachlässigung der elementaren Bedürfnisse der eigenen Bevölkerung gescheitert. Es liegt an den iranischen Demokraten sich zu einigen, für die Änderung des Bewusstseins der Bevölkerung einen Beitrag zu leisten und sich auf den Tag vorzubereiten, wenn das endgültige Scheitern des reaktionären Mullahregime naht.

Djafar Sadigh
Deutsch – Iraner
z.Z. Wohnhaft in Managua / Nicaragua

Friday, June 24, 2005

Giftschlange im Haus

Glueck gehabt!

Somoto, Bezirk Madriz, Nicaragua 28.06.2005


Ein schoener Tag hatte begonnen: Erstmals seit Tagen war in der Nacht kaum mehr Regen gefallen: Sofort rief ich einige Taglohn – Arbeiter, die ich mit der Reparatur der unpassierbar gewordener Zufahrtstrasse zur Farm begannen. Wir schufteten wie die Wilden, brachen Steine aus der Felswand, fuellten die aufgerissenen Furchen, welche die Wassermassen gerissen hatten damit und ueberdeckten diese mit erst groben Kies, dann Sand.
Kurz nach Mittag war das Werk getan: Froh, ab morgen wieder mal mit einer Camionetta auf die Farm fahren zu koennen, zahlte ich die Taglohnarbeiter aus, gb noch einen Trink aus und zog mich ins Farmhaus zurueck.

Da ich den ganzen Tag trotz strak geschwollenem Fuss bei den Arbeiter war und diese ueberwachte, liess ich das Farmhaus geschlossen: Die glaslosen Fenster mit den Holzverschlaegen, die Tueren verriegelt. So ist es dort auch am Tage dunkel. Ich wollte eben im dunklen Raum – ohne das elektrische Licht anzuzuenden – ein Glas Wasser aus dem Trinkwasserbehaelter holen. Dieser hier uebliche 25-Liter-Kunststoffkuebel steht auf einem runden, selbstgezimmerten Tischchen, davor immer 3-4 weisse Trinkbecher. So finde ich diese auch im dunkeln. Heute griff ich nun nach dem ersten der Becher; Da beruehrte meine Hand etwas kuehles, Unbekanntes! Aha – dachte ich, meine liebe Frau hat beim putzen wieder einmal einen feuchten Lappen hier liegen lassen. Ein Lappen – komisch dachte ich: Ist doch normals auch hell oder gar weiss: Der da aber ist dunkel und komisch anzufuhlen. Unbewusst vorsichtig streckte ich nochmals meinen Finger nach dem Ding aus: DA – es bewegte sich! Irrte ich mich – oder nicht? Ich jedenfalls zog rasch meine Hand zurueck – da war mir, als ob etwas zischte und meine Hand streifte. Nun eilte ich zur Zimmermitte, wo ich die halbeingedrehten Gluehampe mit einer raschen Drehung zum leuchten brachte.
Da sah ich sie: Eine bunte, schoen anzuschauende rund 1,5 Meter lange, daumendicke Schlange, die sich eng um einen meiner Trinkbecher geschwungen hatte!

Erstaunt schaute ich auf das Tier, dass ebenfalls schlaefrig und ueberrascht scheinenend zurueckaeugte. Dann aber besann sie sich wohl aufs Schlangenleben: Ihr Kopf ruckte in die Hoehe, der Mund oeffnete sich weit und die gespaltene Zunge wirbelte wie wild! Zwei – dreimal stiss sie den Kopf in meine Richtung – viel zu weit stand ich weg, um von der Schlange erreicht zu werden; Vermutlich waren das eher Drohbewegungen um einzuschuechtern. Ich blieb ruhig – eher etwas untypisches fuer mich – und schaute dem Tier halb belustigt und halb resepktvoll zu. Dann verliess ich ohne Eile das Haus und rief nach meinem Hauptarbeiter. Ich bat ihn, die Schlange zu toeten, ohne sie allzufest zu verletzen, da ich mir das Leder praeparieren wollte. Doch da wir nichst zu machen! Kreidebleich rief er nach seinem Mitarbeiter und schlug blind vor Angst und Panik mehrmals mit seiner scharfen Matchette auf das Tier ein, sodass er es buchsteablich vier- oder gar mehrteilte. Lange noch wand sich deren Koerperteile blutend auf dem Boden – fast hatte ich Mitleid mit dem sterbenden Tier!

Auch mein Vorschlag, den Kadaver den Hunden zum fressen vorzulegen, wurde entruestet abgelehnt: Man muesse mit dieser Schlangenart sehr vorsichtig sein, paukte man mir immer wieder ein. Schliesslich sei es eine Cacabel – etwa das giftigste, was es in der gegend gebe. Paradoxerweise heisst sie somit gleich wie die gegend wo meine Farm liegt! (Leider habe ich weder im Internet noch in der Bibliotheken ein Fotos oder den lateinischen Namen der Art gefunden)
Nica-Hanspi

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Hochwasserschaeden

Somoto, Bezirk Madriz, Nicaragua 28.06.2005


Zum zweiten Mal am gleichen Tag dem Tod nur knapp entronnen! Am Nachmittag fand ich in meinem Farmhaus eine grosse Giftschlange – doch davon in einem separaten Bericht

Nachdem hier seit anfangs Juni taeglich viel Regen faellt und wir fast taeglich Hochwasseralarm hatten, beruhigt sich diese Woche das Wetter etwas. Sofort fing ich an, mit 4 Tagloehner und meinen 2 Landarbeiter die groebsten Schaeden auf der Zufahrtsstrasse zum Farmhaus auszubessern da oeffneten sich gestern Nacht die Schleusen des Himmels erneut: Fast 4 Stunden lang regnete es in Stroemen.
Schon frueh um 05.30 heute morgen nahm ich ein Taxi, um voller Sorge nach den Schaeden auf der Farm zu sehen. Was ich antraf, uebertraf meine schlimmsten Befuerchtungen:
Der Regen hatte die eben ausgebesserte Strasse an gleich drei Orten voellig weggeschwemmt! Bis 1,5 Meter tiefe Schluchten rissen die Wassermassen in die steinige und felsige Erde und einige Baume wurden geknickt und entwurzelt. Glueck, dass hier keine Menschen zu Schaden kamen. Eisg klemmte der Schreck mein Herz: Wenn ich nur einige Stunden spaeter diese Strasse gestern passiert haette: Es haette wohl kaum eine Rettung gegeben!
Ein fast 80-jaehriger Nachbar stand ebenfalls kopfschuettelnd vor den Schaeden: „Noch nie in meinem langen Leben habe ich so etwas fuerchterliches erlebt“ murmelte er immer wieder:“Selbst beim so schlimmen Mitch vor wenigen Jahren, die eine beispielslose Sammelaktion in der ganzen Welt ausloeste, waren die Schaeden nicht so gross wie heute hier“. Sein Brunnen, Lebensader seiner kleinen Farm – wurde voellig aufgefuellt mit Schlamm und Erde, sodass die Gefahr besteht, dass die Quelle verstopft.

Auch mein Schaden duerfte sich um 1500 USD bewegen – keine Ahnung, wie ich diesen Betrag aufbringen soll. Natuerlich hoffen wir, dass von der Gemeinde Hilfe geleistet wird, sodass wir wenigstens in einigen Wochen wieder auf die Farm fahren koennen. Die naechsten Tagen ist der Zugang nur ueber ein Felsband moeglich – was ich mit meinem gebrochenen Fuss nicht schaffe. Auch der Esel war nicht im Stande, den sich gebildeten reissenden Fluss zu durchqueren.

Dennoch will ich nicht jammern: Arme Nachbar traf es wiedermal noch haerter. Im Nachbardorf El Esperanto – nur wenige hundert Meter neben der Farm gelegen – starben gestern Nacht einige Dorfbewohner, darunter Kinder. Mein Herz blutet und meine Augen fuellen sich mit Traenen, sodass ich den Bericht hier schliesse.

Nica-Hanspi

Wednesday, June 15, 2005

Busfahrt durch Nicaragua, Honduras, San Salvador, Guatamala nach Mexico

Geschrieben anfangs Juni 2005 . Heute neu eingestellt.

Reisebericht durch Zentralamerika

Start in Nicaragua:
Frueh um 06.00 mussten wir aus den Federn: Mit einem Taxi fuhren wir die rund 35 Kilometer zur Grenze nach Honduras. Zwar faehrt der Tica-Bus – bei dem wir gebucht haben – die gleiche Strecke und passiert dabei praktisch unsere Haustuere: Doch irgendwelche unverstaendlichen Absprachen verbieten es ihm, in unserem Dorf oder gar vor unserem Haus anzuhalten und uns aufzuladen!

Um 07.45 treffen wir an der Grenze ein: Der Treffpunkt ist auf 08.00 festgesetzt worden: Natuerlich war um diese Zeit noch weit und breit kein Bus zu sehen! Dieser traf dann etwa um eine Stunde verspaetet ein und zu unserer Ueberraschung nahm uns der freundliche Beifahrer die Passformularitaeten ab und fuellte gar die leidigen und muehsamen weissen Formulare fuer uns aus. Dann das hier so uebliche kaum enden wollende Palaver zwischen Grenzbeamte, Fahrer und Beifahrer – danach ein Gleiches noch mit den Gaesten und weiteren Passanten: Immer findet ein Zentralamerikaner Jemanden, mit dem es wichtig ist, ein Gespraech zu fuehren. Fragt man dann als sprachlich Schwacher nach dem Gespraechsstoff und – grund, gibt es meist zur Antwort: "War Nichts – alles gut!" ( Das beruhigt mich manchmal gar: Wenn „Nichts“ hier so wichtig ist, muesste ich es ja eigentlich auch sein!)

So begann halt unsere Reise im hochmodernen Reisebus mit Klimaanlage, Video und WC um 09.15 statt um 08.00: Bei einer 6-Tgesfahrt ja auch nicht so von Bedeutung!

Schon in Honduras wurden wir ein erstes Mal aufgehalten: Eine Polizeistreife leitete den Bus in einen Polizeihof, wo es hiess: "Alles aussteigen – Drogenkontrolle!" Wieder mal kam mir mein gebrochenes Bein zur Hilfe: Der freundliche Fahrer machte den Chef der Station auf mein Gebrechen aufmerksam, der sofort entschied, dass ich als Einziger im Bus bleiben duerfe! Ein grosser, furcheinfloessender und dennoch unheimlich schoener Deutscher Schaeferhund schnupperte an den Koffer, die sich im Bauch des Riesenbuses befanden und lief dann – Zaehne fletschend – die in einer Reihe vor dem Fahrzeug stehenden Passagiere ab: Manch einer, der mit verkniffenen Gesicht und leise zitternd das grosse Tier aengstlich anstarrte: Doch bei keinem blieb der Hund stehen. So wurden noch alle Paesse von den Polizisten einzeln kontrolliert und nach etwa 30 Minuten konnte die Fahrt fortgesetzt werden.

Um 11.15 trafen wir so – rund 1 ¾ Stunden verspaetet – an der Grenze Honduras / Salvador ein: Am Grenzuebergang Amadillo wartete eine riesige Schlange vor den beiden Schaltern: Es galt, erst bei einem die Ausreise per Stempel im Pass bestaetigen zu lassen – dann beim Naechsten die Einreise: Natuerlich waren auch hier wieder 2 verschiedene Papiere auszufuellen. Dabei zeigte es sich, dass die im Bus erhaltenen und dort Ausgefuellten die Falschen waren – mit unserem CH-Pass mussten wir andere – mit noch einem Dutzend Fragen mehr ausfuellen. Doch auch hier half mein Stock: Die ueberwiegend freundlichen Schlangensteher liessen mich Einer nach dem Anderen vorgehen – sodass ich in Kuerze vor dem Schalter stand! Dahinter ein Mittfuenziger am Mini-Computer, der von seiner Aufgabe klar ueberfordert war! Muehsam tippte er die Angaben auf unseren Papieren im Zweifingersystem in die Tasten, vergewisserte sich noch und noecher ob diese auch wirklich mit den Dokumenten uebereinstimmten und fragte wohl x-Mal seinen faul und den dicken Bauch sonnenden Chef hinter ihm, ob er alles richtig mache und die roten Paesse wirklich durchzulassen seien! Da kam wir wieder Mal gelegen, dass mein Spanisch nicht allzugut ist: Woanders haette ich wohl laengst „ausgerufen“! Ganze 2 ¼ Stunden dauerte es, bis alle unsere rund 30 Mit-Buspassagiere die Passkontrolltortur hinter sich gebracht hatten. So rollte dann unser Bus ab 13.30 weiter auf der Panamericana und stoppte schon eine Viertel Stunde spaeter an einer Tankstelle, wo wir Gelegenheit hatten, das Mittagsessen einzunehmen. Die reich frequentierte Tankstelle bot jedoch kaum was „Gfreutes“: Abgestandene Warmspeisen in grossen, halbleeren Chrompfannen: Dazu lauwarme „kalte“ Getraenke – und das zu Preisen, die man in Europa als guenstig – hier aber als unverschaemt bezeichnen musste.

Was solls: Schon um 17.30 Nica-Zeit = 16.30 Salvador Zeit trafen wir in einem kleinen, unfreundlichen und absolut luxuslosem Kleinhotel ein, wo die Ticabusse ihre Passagiere uebernachten lassen. (Nicaragua hat kuerzlich die Uhren um ein Stunde zurueckgestellt und hat so gleiche Zeit wie Mexico: Doch das ohne Absprache mit den Nachbarlaender, sodass Nicaragua eine Zeitinsel in Zentralamerika ist – wie einst die Schweiz in Europa! Dazu kommt, dass die meisten Nicas – vornehmlich auf den Bergen – keine Uhren haben und sich nach dem Stand der Sonne orientieren: So ist das Chaos groesser als je zuvor: Kaum eine Sitzung oder ein Treffen kann rechtzeitig begonnen werden!)
Hotel, Abendessen, Einkauf in der Metropole San Salvador und Stadtbummel gaben wenig her und sind nicht geeignet, den Mamutbericht noch mehr zu fuellen. Einzig ein interessantes Detail: Da die Regierung bei der Bevoelkerung kaum mehr Vertrauen hat, ist die einheimische Waehrung praktisch voellig verschwunden: Taxi, Restaurant und Einkauf laufen voellig ueber US-Dollar – ja gar auf dem WC in der Stadt verlangte man einen USD! Einzig die Leute am Zoll wollten partout keine Dollar akzeptieren – was die gewieften Geldwaechsler dort schamlos ausnutzten und einen rund 30% zu hohen Kurs anboten!

2. Tag:

Da Niemand genau weiss, ob nun der Bus am Morgen zu Nica- oder Salvadorzeit um 05.30 abfaehrt, liessen wir uns schon um 04.45 wecken. Alles war da – nur der Chauffeur nicht! So fuhren wir dann mit Salvadorzeit – eine Stunde vor dem Bus wartend – um 06.10 ab.
Nach etwa einer Stunde Fahrt erneute Drogenkontrolle durch eine Polizeistreife: Diesmal lief das Prozedere jedoch etwas schneller ab! Schon um 08.30 trafen wir an der Grenze Salvador / Guatamala ein: Auch hier das bereits gewohnte bloedsinnige Ausfuellen von immer gleichenartigen Formularen, Schlangenstehen, Beamte anlaecheln,(auch wenn man sie lieber ankotzen moechte) von einem Bein aufs andere treten, Faeuste im Sack machen, immer noch laecheln um endlich das BUMM-bumm zu hoeren: Zwei Stempel, die die Weiterfahrt ermoeglichen! Diesmal dauerte der Behoerdenleerlauforgasmus nur gerade 1 Stunde!
Gegen 11.30 trafen wir in Guatamala City ein, wo wir in einem kleinen Cafe direkt neben dem Busterminal ein feines, einheimischen Essen vorgesetzt bekamen: Umgerechnet fuer etwa 6 Franken = fuer 2 Personen inklusive Getraenke! Stoerend einzig, dass hier alles Handgepaeck aus dem Bus genommen werden mussten und alle am Terminal sich neu einzuchecken hatten: Meist kriegte man den gleichen Sitzplatz wieder: Doch der Schimmel der Burokraten hat was zu wiehern gehabt!
Schon 12.30 gings weiter: Leider nicht allzuweit im gewohnten flotten Tempo. Bei der Ausfahrt auf der Stadtautobahn eine riesige Kolonne! Niemand wusste warum! Viele versuchten, auf dem Pannenstreifen rueckwaertsfahrend zur naechsten Ausfahrt zu gelangen; Andere versuchten in einer dritten und dann gar vierten Reihe auf der 2-spurigen Strasse ein paar Meter weiter nach vorn zu kommen. Nach etwa 2 Stunden Nervenkrieg riss auch unserem Fahrer die Geduld und er verliess die Autobahn rueckwaertsfahrend ueber eine Einfahrt! Gottseidank war ein Fahrgast unter uns, der die Gegend kannt: So lotste der unseren Bus ueber Nebenstrassen. Etwa 2 Doerfer weiter sahen wir, dass hier die Autobahn wieder frei war und so konnten wir die schnelle Fahrt fortsetzen. Hier sah ich auch das erste Mal eine Strassenmaut in Zentralamerika und wunderete mich ueber die doch recht hohen Gebuehren, die unser Bus zu entrichten hatte.
17.30 dann Grenze Guatamala / Mexico. Hier liessen sich die Schikandeure in Uniform noch was besonders Gemeines einfallen: Nicht nur das Handgepaeck – nein, das gesamte Gepack musste zur Kontrolle! Bei meinem Gehen am Stock mit 2 schweren Koffer sowie dem Handgepack eine recht muehsame Sache. Diesmal fand sich Niemand, der Mitleid zeigte oder Hilfe anbot. Fast amuesiert sahen uns eine stattliche Anzahl gruenbefrackten Grenzer zu, wie wir die schweren Koffer zentimerweise und abwechselnd vor uns herschoben. Ein kleiner, schmutziger Junge bot uns dann doch noch seine Hilfe an – wollte dafuer aber 5 USD haben! Natuerlich machte ich da nicht mit, sondern fuegte mich – mehr oder weniger leise – knurrend und murrend ins Unabaenderliche. Trotz allen Huerden schafften wir auch diese Kontrolle in etwas ueber einer Stunde. Nach einer weiteren Stunden Busfahrt trafen wir in Taragotta ein – dem Umsteigeort in Mexico: Hier drehen die Nica-Busse um und wir mussten auf eine mexikanische Buslinie umsteigen.

Das bedeutete, wieder Koffer schleppen, Buslinie an einer verblichener und kaum lesbaren Tafel bestimmen, einchecken, Geld zusammen suchen, da die erst keine Dollar (wir hatten nur 100-Dollar-Noten dabei) und keine Visa nehmen wollten! So blieben nur noch rund 10 Minuten Zeit fuer das Umsteigen: Zuwenig, um noch etwas in den Magen zu bekommen oder mir einen kleinen Schlaftrunk zu besorgen ( Aergerlich!!)

Die Reise bisher hatte neben den geschildereten kaum gross andere Eindruecke hinterlassen: Da die Buslinien wohl davon ausgehen, dass ihre Passagiere lieber langweilige und voellig ungeignete Videos anschauen wollen ( meist mit viel Blut und Geschiesse- obwohl auch immer Kinder im Bus waren) – verdunkeln sie die grossen Frontscheiben und auch die Seitenfenster lassen nur spaltweise Blicke auf die Gegend zu: So bekam ich fast die Halskehre beim Herausstarren. Trotzdem nahm ich so viel wie moeglich auf und sah, wie Honduras arm und sehr trocken war, Salvador deutlich bessere Infrastruktur hatte und auch gruener war und Guatamala wirkte auf mich fast wie die huegelige Voralpenlandschaft in der Schweiz. Da ich vorallem wegen den kakteen unterwegs war, wunderte ich mich einzig, wie wenig von diesen Pflanzenart in allen den durchgefahrenen Laender zu sehen war!

2. Nacht und 3. Tag:

So verliessen wir nur mit etwas Trockenobst und Mineralwasser bestueckt Taragossa um 20.30 Uhr mit Destination : Veracruz.
Eine unruhige Nachtfahrt folgte: Viel zu tief eingestellte Klimaanlage liess uns trotz hoher Nacht-Aussentemperatur frieren; Die Sitze waren zwar auch hier recht bequem und aehnlich wie in einem aelteren Flugzeugtyp, doch zum liegen wenig geeignet.
Am Schlimmsten aber die vielen Kontrollen durch die Autobahn-Polizei: An die 10x wurden wir angehalten – einmal gar nur 500 Meter nach der letzten Kontrolle! Dabei kommen Taschenlampen bestueckte Polizisten oder –Innen in den Bus, leuchten den halb- oder ganz schlafenden Passagiere ins Gesicht und fordern einige auf, den Bus zur genaueren Kontrolle zu verlassen und Papiere und Handgepaeck mitzunehmen. Fast immer sind es die gleichen 4-6 Passagiere: Meist Junge mit etwas laengerem Haar und Maenner mit einfacher Kleidung und die statt Handgepaeck Futtersaecke oder aehnliches unter dem Arm geklemmt hatten. Draussen werden meist nur die Papiere angeschaut, dann und mann wal einen Namen ueber das Funkgeraet durchgegeben und danach wurden die Kontrollierten wortlos laufen gelassen. Die Polizisten stiessen im Bus meist mit der Hand an die im Gepaeckfach liegenden Taschen und Plastiksaecke: Mehr Routine oder Show – kaum ernstzunehmende Kontrolle: _ Also vielleicht doch Schikane oder mindest herz- und interessenlosen Dienst nach Vorschrift.
Gegen 09.00 haben wirs fuers Erste geschafft und wir sind an unserem 1. Ziel eingetroffen: Rund 2'500 Kilometer Fahrt im Bus sind hinter uns.

Veracruz aber entschaedigt uns fuer die Strapazen: Herrlicher Aufenthalt bei Verwandten, tolle Gespraeche, feines Essen und herrlichen Schnaps: Tequilla vom Allerfeinsten! Am naechsten Tag werden wir mit einem Fruehstueckbuffet in einem 5-Stern-Hotel verabschiedet: Alles glaenzt in Silber und Chrom, riesige Oelgemaelde an den Waenden, Chronleuchter wie sonst nur in Palaesten ueblich, Personal in Uniform, die einem jede Handreichung abnehmen und die gefuellten Teller an den Tisch tragen: Welch ein Unterschied zum Leben im armen Nicaragua und auf der einfachen Farm!
Wir besuchen die Altstadt, den Hafen und die kilometerlangen Straende mit feinem, schwarzen Sandstrand, an dem kaum Touristen sind, obwohl die Badetemperatur das ganze Jahr einladet und das Wasser herrlich sauber ist.

4. Tag:

Wir reisen weiter von Veracruz nach Mexico City D.F.: Wieder sind wir rund 12 Std. im Bus. Dort werden wir von lieben Verwandten bereits erwartet, welcher frueher in Paris wohnten – wo wir ihre Trauzeugen waren.

Zwei Tage verbrachte wir in der 25-Millionen Einwohner zaehlende Stadt – die damit zu einer der groessten und schmutzigsten in Zentralamerika zaehlt!
Wir besuchte die Urstaette der Maya – Indianer mit den drei hohen Pyramiden; Ich suchte nach Literatur ueber Heilkraeuter der Mayas und vorallem nach Nopal: Die Kakteenart aus der Familie Opuntien, die hier zum essen angebaut wird und Diabetiker hilft, ohne Insulin zu leben.
Ich wurde fuer all die ertragenen Qualen reich belohnt: Eine Fuelle an Informationen fand ich in Laeden, bei Besuch abgelegener Doerfer mit alter Indianerkulturen, im bekannten Nopalanbaugebiet Milpa alta – wo ich viele Gespraeche mit Anbauer, Vermarkter fuehren konnte und vom Chef der Kooperative sowie von einem Mitarbeiter im Minesterium empfangen und informiert wurde.
Ich kaufte viele Nopalprodukte in Kapseln, Pulver und Frische ein, um den Markt kennen zu lernen und von den Anbieter die Adressen zu bekommen.
Meine Frau Graciela kaufte Silber in Form von Schmuck in recht grosser Menge ein, die hier in Nicaragua willkommene Geschenke fuer die Grossfamilie sind und in Mexico sehr, sehr guenstig angeboten werden. Vielleicht werde ich das eine oder andere auch bei ebay anbieten.

5. Tag:
Wir verbringen den Tag meist im Verwandtenkreis und machen Besuche. Am Abend sind wir an einem internationalen Fest eingeladen, wo unter anderem auch Kuenstler aus Nicaragua auftreten sollen. Mit dem Privatwagen fahren wir zum Fest – eine rund 2-Stundenfahrt – alles innerhalb der Grossstadt!
Dort angekommen, fing es bereits leicht zu regnen an. Gluecklichweise fanden wir einen freien Platz unter einem Dachvorsprung, da die Liedervortraege auf einer Freilichtbuehne vorgetragen wurden. Wir konnten ein sehr modernes Balett einer hondurianischer Tanzgruppe bewundern, wobei die ebenfalls moderne Musik doch recht eigenartig und eher untypisch war. Dann wurde der nicaraguansiche Star angesagt: SALVDOR CARDENAL vom weitherum bekannten Duo Guardabarranca!
Kaum hatte dieser eines seinen politisch stark links gefaerbten Lieder angestimmt, viel der Strom und damit die Lautsprecheranlage aus! Erregt verliess der Star die Buehne und die Techniker beeilten sich – hochroten Kopfes – den Schaden zu begrenzen. Kaum aber trat der Kuenstler ein zweites Mal auf, setzte ein Platzregen ein, der fast alle Besucher entfliehen liess.
Nun war es mit der Groesse vom Grossen dahin: Schimpfend verliess auch er die Buehne. Unsere Gastgeber sind mit ihm beferundet und baten uns, zu warten: So wollen versuchen, den Mann hinter der Buehne zu beruhigen. Das gelangt – wenn es auch sehr lange dauerte. Doch noch immer beleidigte Leberwurst spielend, gesellte sich der Star mit seinem Gefolge dann zu uns und uebersah mich gefliessentlich. Ob gewollt oder nicht, stiess er mich zweimal fast um und trat auf oder gegen meinen ledierten Fuss – was ich mit lautem Murren quittierte. Dabei gab ich ihm und seinem Gefolge zu verstehen, dass ich mich auch von einem Str nicht treten lasse! Die Spannung stieg – alles war gereizt und „haessig“. Unsere Gastgeber eklaerten, dass der Kuenstler weder vor dem Auftritt noch danach etwas zu essen oder trinken vom Organisator bekommen haetten – und wohl auch darum so gereizt sei. Ein weiteres Paar in unserer Runde meldete sich zu Wort und erklaette, dass hier kaum wo gut zu essen sei und schlug vor, mit den Privatwagen zu ihnen nach Hause zu fahren, wo man einen Pizzadienst beauftragen werde, uns alle zu verkoestigen.
Das gefielt dem Star gut und passte auch uns ganz gut. Dort angekommen erfuhren wir, dass es sich um den Vizekonsul von Nicaragua in Mexico handelte, der uns in sein grosses und herrliches Haus einlud. Hier schwenkte die Stimmung um: Rund 10 riesige und verschiedene Pizzas lieferten wohl die erste Grundlage; Dann aber auch Salvador, der hier im kleinen Kreis nicht mehr der affige Star mimte – sondern ganz einfach Gast und Freund war. Hier begruesste er mich auch erstmals richtig und mit Handschlag, setzte sich dann neben mich auf die bequeme Couch im Wohnzimmer und sang eines nach dem anderen seiner tollen Lieder – was wir maeuschenstill lauschend genossen! Es wurde ein toller Schlussabend!

5. bis 7.Tag:
Rueckreise:
Diese verlief gottlobunddank viel weniger stressig als die Hinfahrt: Keine einzige Drogenkontrolle, Kaum Schlangen an den Grenzen, Busbeifahrer, die fuer uns die leidigen Papiere ausfuellten und an keiner der drei Grenzen eine Gepaeckkontrolle, die wir wegen unserem vielen Eingekauften so befuerchtet haben.
Auch die Nacht in San Salvador – bereits mit dem miesen und doch 25 Dollar teueren Zimmer abgefunden – machte weniger Bauchweh. Zumal ich einen kleinen Schnapsschuppen fand, wo ein einheimischer Wodka mit unbekannten Namen angboten wurde, der jedem Smirnoff ebenbuerdig war. Auch das Nachtessen nahmen wir in einem von aussen schlimm aussehenden Einheimischenrestaurant ein: Schmackhaft, sauber und unglaublich guenstig! Schweizer, die mit uns im Bus fuhren, kamen nur kurz ins Lokal und verliessen es naseruempfend sofort wieder. Als sie uns ueberrascht fragten, ob wir das Zeugs dort wirklich gegessen haetten und feststellen mussten, noch wir noch am Leben waren - verstanden die Welt nicht mehr!

Noch viel ware zu erzaehlen:
Hauptsaechlich auch zu meinen neuen Erkenntnissen zum Thema Nopal gegen Diabetes:
Doch davon ein anderes Mal.

Nica-Hanspi

Buecher zum Thema:

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Sintflut nach dem Hurikan

Geschrieben am 03.06.2005 : Heute neu eingestellt.

Sintflut in Nicaragua

Nach dem Hurikan die sintflutartigen Regenschauer.

Nachdem seit nunmehr fast 6 Jahren kaum mehr nennenswert Regen fiel, kommt nun des Guten ziviel! Schon drei Tage regnet es so stark, dass man meint, es sei ein Staudamm gebrochen! Meist in der Nacht fallen hektoliterweise Wasser vom Himmel, die alle Baeche – seit Jahren trocken – zu reissenden Fluesschen anschwellen lassen.

Nur 100 Meter vor meiner Farm mussten in der Nacht aus einem direkt an der Panamerikna gelegenen Haus drei Kinder evakuiert werden. Der Regen hatte den Graben zwische Strasse und Haus so aufgefuellt, dass ein ueberschwappen der Wasser-/Geroell- und Erdmassen ins Haus zu befuerchten war. Hier besonders schlimm, da die Haeuser fast alle aus Lehm bestehen, die sich durch eindringendes Wasser schnell vollsaufen und zerbroeckeln – was innerhalb kuerzester Zeit zum Einsturz des ganzen Hauses fuehren kann.

Eben sprach ich mit einem anderen Schweizer Farmer: Ihm hat der Regen eind recht grosse - bereits angesaete - Landflaeche einfach weggespuelt! Dazu riss der Fluss einen eben erstellten neuen Viehzaun auf einer Laenge von etwa 2 Kilometer weg!

Ich kann seit Tagen nicht mehr auf die Farm: Auch ein 4x4-Transporter schafft es nicht, die aufgeweichte Strasse mit Geroell und Schlamm zu passieren. So muessen die Arbeiter auf der Farm mit dem Noetigsten per Esel oder zu Fuss versorgt werden, wobei die Leute dann durch knietiefes Wasser waten muessen.

Nica-Hanspi

Das Buch zum Thema:

Hurikan 2

Nun ist sie vorbei: Die befuerchtete Schreckensnacht!
Gottseidank ohne Probleme und Schaden!
Zwar peitschte der Regen mit rieiger Wucht an Haus und Fenster, sodass man jeden Moment glaubte, es muesste wohl demnaechst einstuerzen. Vorsorglich hatten wir alle Fenstyer mit Brettern vernagelt oder wenigstens mit Klebband sternfoermig verklebt ( So soll bei einem Sturm mit Glasbruch die Splitter nicht im ganzen Raum herumfliegen!)

Im Fernseher sehen wir dauernd Bilder von anderen Gegenden und auch aus unserem Dorf. Schlimme Bilder: Weinende Menschen, die vor ihrem einstigen Hab und Gut standen, das in sekundenschnelle zerstoert wurde - auch mir kommen da oft einfach nur die Traenen.

In unserem Dorf war der Schaden nicht allzugross. Dennoch waren viele Frauen - hauptsaechlich mit Kleinkinder - in eines der geoeffneten Schulhaeuser oder anderen Gemeinschaftsraeume umgezogen - noch den Schrecken des nicht allzulange zurueckliegenden Mitsch in Erinnerung!

Bilder aus diesen Raeumen zeigen ein makabres Bild: Fast ist in der Enge der Raeume sowas wie ein Volksfest auszumachen: Lachen, lautes Palaber, ja gar singen - zumeist wohl Galgenhumor! Doch auch die wenigen anwesenden Maennern werden wohl auf ihre Rechnung gekommen sein - und es ist zu erwarten, dass die ohnehin unmoeglich hohe Geburtenrate nach dieser Nacht noch einmal anschwellen wird.

Trotz anhaltendem strengen Regen und meiner Behinderung mit dem gebrochenen Bein mit ich - mit zwi statt einem Stock ausgeruestet - fruehmorgens docj auf die Farm gefahren. Der Taxifahrer weigerte sich, die letzten 500 Meter auf der Farm zu fahren, da der Weg eher einem kleinen Bach glich: So humpelte ich muehsam und vorsichtig zum Farmhaus.

Gottseidank auch hier alles in Ordnung: Zwar war ueberall im Farmhaus und auch im Arbeieterhaus voll Wasser - doch keine groesseren Schaeden. Wir mussten natuerlich die geplante Aussaat der Bohnen ( angedacht war eine Flaeche von 2,5 Ha) auf naechste Woche schieben. So fuellten wir den Tag mit Reperaturen im Haus und erstellten Plastikverschlaege fuer die Zucht - Vogelkaefige. Auch die freilaufenden Kaninchen fingen wir groesstenteils ein und sperrten sie fuer ein paar Tage in die Farmkueche, wo es trocken und waermer ist.

Froh, meine ersten Life-Hurikan heil ueberlebt zu haben, bleibt doch ein gemischtes Gefuehl: Ich denke an die vielen armen Leute die es wieder einmal am haertesten getroffen hat!
Nica-Hanspi

Das Buch zum Thema:

Hurikan

Verfasst am Donnertag, den 19.05.2005 - heue neu eingestellt:

Thursday, May 19, 2005
Hurikan
Eben habe ich diesen Blogg eroeffnet und hoffe, damit einen grossen Schritt im Internetleben gemacht zu haben ( Wie sagte einst Amstrong auf dem Mond? Ein kleiner Schritt fuer mich - ein grosser fuer die Menschheit - oder so aehnlich!)

Draussen regnet es in Stroemen - der erste - langersehnte Regen seit mehr als 6 Monaten! Wie immer, kommt das ersehnte Nass aber in einer so grossen Menge, dass es erst mehr schadet, als nutzt: Die harte und ausgetrocknete Erde kann das lebenserqickende Nass nicht aufnehmen - so ernstehen sofort riesige Baeche, Fluesse und Stroeme, die alles mitreissen, was nicht fest verankert ist. Nebenan im Fernsehen hoere ich, dass eben der erste Tote in Managua zu beklagen ist: Ein Mann im Fahrrad - Taxi wurde von einem umstuerzenden Strommast getroffen und strab auf der Stelle.

Hier im Kleindorf SOMOTO ist das Leben schlagartig zu Stillstand gekommen: Die Strassen sind (fast) menschenleer: Einige Taxis quaelen sich Fontaenenspritzend durch die Gassen und 2 Buben spielen umverdrossen mit dem Ball - was mich strak an unser Wasserball in der Schweiz errinnert - als alter Horgner ( das x-Mal Schweizermeister wurde) ein tiefverwurzeltes Bild.


Das Buch zum Thema: